Alles ist wichtiger als Essen

Ich habe Probleme mit dem Essen. Tja – wie erklärt man dies? Essen ist ein Grundbedürfnis. Für den großen Teil der Menschheit dreht sich das halbe Leben ums essen oder nicht essen. Menschen essen zu viel, zu wenig, falsch, gesund, anders, … . Aber für mich ist essen einfach nicht wichtig. In meiner Prioritätenliste erscheint hin und wieder ein Eintrag diesbezüglich. Aber der verblasst meist schnell wieder. Zum Beispiel kann ich feststellen, das mein Magen knurrt, da ich lang nichts zu mir genommen habe. Ich nehme mir fest vor jetzt etwas zu essen, mache mich sogar auf den Weg, aber dann geht dieser Gedanke wieder verloren. Weg – einfach weg.

Ich essen gern. Ich mag essen. Ich mag den Duft, ich mag das kochen, braten, backen. Aber es landet weniger von alle dem in mir als es sollte. Vermutlich ist es meiner Freundin als erstes aufgefallen. Mir ist es auf jeden Fall zu spät bewusst geworden. Doch wie ändert man dies? Wie isst man bewusst etwas mehr, wenn man nicht mal daran denkt? Und viel wichtiger – wo kommt dieses Verhalten her?

Ich habe einen Verdacht:
Bis vor ein paar Jahren aß ich regelmäßig. Ich konnte viel essen und ich nahm nie zu. Ja – es frustrierte mich sogar, dass ich Unmengen an Geld ausgab für Essen und nie zunahm. Ich bin 1,78m groß und wiege konstant zwischen 60 und 64 kg. Egal ob ich viel oder wenig essen. Essen wurde für mich zu einer sinnlosen und überflüssigen Sache. Aber ich tat es. Was hat sich geändert?

SVV – mein Hang mich selbst zu verletzen hat mich lang begleitet. Seit einigen Jahren mache ich dies jedoch nur noch sehr selten. 2010 soweit ich weiß nur ein mal.  Hier die Theorie: Je weniger ich mich selbst verletze desto weniger esse ich. Passt das? Ich denke ja. Verhaltensweisen legt man nicht einfach ab. Ich habe quasi von jetzt auf gleich ein Verhalten fast abgelegt, welches mich mehr als 15 Jahre begleitet hatte. Somit könnte es sein, dass ich unbewusst das Eine mit dem Anderem, was mich eh störte, ausgetauscht habe.

Andere Theorie:
Ich habe Probleme mit dem Essen. Mein Energiebedarf ist einfach durch den Bürojob so stark gesunken, dass ich einfach nicht mehr so viel benötige. Das 3x täglich essen ist sowieso überholt, man sollte essen wenn man wirklich Hunger hat und nicht wenn der Appetit nach Futter schreit. Und hier kann ich ganz klar sagen/schreiben. mir geht es gut. Ich habe keine Mangelerscheinungen, nehme nicht weiter ab oder fühle mich schlecht.

Esse ich also unbewusst genau so viel wie ich benötige?

11 Gedanken zu „Alles ist wichtiger als Essen“

  1. Mir kommt die Verhaltensweise sehr bekannt vor. Ich habe teilweise ähnliche „Phasen“. SVV ist ziemlich selten geworden, aber das mit der Nahrungsaufnahme ist so ein Kapitel für sich. Ganz extrem war das während meiner WG-Zeit. Jetzt zu Hause wird ja schon wieder regelmäßig drauf geachtet, dass ich was mit zu Arbeit nehme etc.

    SVV ganz lozuwerden ist ein Ding der Unmöglichkeit, denke ich. Unterbewusstes Handels kann man nicht komplett abstellen.

    Solange es sich keine Mangelerscheinungen zeigen und du dich wohl fühlst – warum zwanghaft etwas ändern?

    1. So sehe ich dies auch. So lang es sich nicht bemerkbar macht ist alles in Ordnung. Ich brauchte allerdings tatsächlich diesen Artikel, um am Ende zur zweiten Theorie zu kommen. Dies wurde mir erst beim Schreiben bewusst.

      SVV wird man sicher nicht mehr los. Ich meine ich kann soviel darüber reden wie ich will – es ändert nix am Verhalten. Ich weiß wo es herkommt, wer Schuld ist, Theorien zum Umgang damit kenn ich genügend. Und ich habe meine Erfahrung damit seit ich 13 bin. Es schränkt mich nicht ein und macht mich nicht besser oder schlechter (schade) als andere „Lebewesen“.

      1. Das kenne ich, aufgeschrieben gibt’s dann doch noch andere Gedanken plötzlich. So manch ein Artikel startete komplett anders bei mir.

        Ich seh das auch nicht so dramatisch, wie andere. Es ist halt einfach so und solange man sich nicht ernsthaft dauerhaft schadet damit, sollte man sich nicht zu sehr den Kopf zerbrechen.

  2. Ich durchbreche eure These. Und damit verrate ich etwas, das ich bisher keinem anvertraut habe. Ich war seit 2004 clean 😀 Kein SVV mehr. Dafür hab ich gegessen, normal natürlich. Und getrunken..naja.

    2010 hatte ich einen Rückfall. Es veränderte sich sovieles in mir, Gefühle waren da die jahrelang nich da waren. Und in einem schlimmen Moment nahm ich das erstbeste (Kronkorken) und rammte ihn mir wieder und wieder in den Arm. Aua. Da war ich baff. Zu diesem Zeitpunkt aß ich sehr schlecht. Quälte mir spät Abends mit Müh und Not was rein. War kein Wunder, ich bin gestört, persönliche Probleme brachten mir ständige Übelkeit bis hin zum übergeben ohne das ich es selber herbei führte.
    Also beides zusammen. SVV und nicht/wenig essen.
    Ja, andere Gründe aber das is mir egal.
    Nun ein halbes Jahr später klappt das mit dem essen immernoch nicht ganz. Ich hatte heute ein Veirtel Apfel und ein Amicelli. Juhu. Dafür mach ich grad mein 4. Bier auf.

    Kotzen is weg, Appetitlosigkeit bleibt. SVV? Letzte Woche das letzte Verlangen danach, ich war zu weit um dem zu oft nachzugeben. Ich trau mir selbst nicht mehr, aber ich muss es wieder hinkriegen. Ich hab mich gebissen quasi. Aber besser als schlimme Wunden, so geht es nicht. Ich steh dazwischen. Jawoll. Essen is was für Loser, SVV auch. Boah was fürn Mistgefasel. Hey hey, peng an den ders versteht. Reden wir bald mal drüber. 🙂

    1. Also hast du die These ja gar nicht durchbrochen, sondern eher verstärkt. Es geht dir gut, ist beides in Ordnung, geht es dir schlecht dann hast du eines oder beides.

      Was ist mit meiner letzen Theorie? Persönlich muss ich sagen/schreiben, dass ich mit ihr recht gut leben kann. Sie ist quasi als Einsicht aus dem Geschreibe gewachsen. Ich essen so viel wie ich brauche – basta!

      Reden wir drüber.

      btw: ein Amicelli hätte ich auch gern.

  3. Ja auch ich kenne wohl diese Problematik.
    Bin ich allein, vergesse ich das essen aber auch das trinken regelrecht. Dann fällt mir erst um 17 uhr mal auf, dass ich nichts gegessen, und gerade mal eine Tasse Kaffee getrunken habe.
    Das wenige essen.. macht nichts. Das wenige trinken leider schon 🙁

    Wenn ich so darüber nachdenke kann ich mir durchaus vorstellen, dass es etwas mit dem schneiden bzw nicht mehr schneiden zu tun hat.
    Quasi als eine Art ausgleich?!
    So wie man anfängt mehr zu essen, wenn man das Rauchen aufhört oder zu sonstigen unbewußte Ersatzhandlungen greift.

    Und schneide ich nicht, kommt es irgendwann gleich so, dass ich im krankenhaus lande.
    Was von alle dem nun die beste Option ist weiß ich auch nicht?!

    Öfter „harmlos“ schneiden? Nicht Essen, dann irgendwann doch wieder so schneiden, dass man wieder zusammengenäht werden muss?

    Wayne..

    1. Hi Alice,

      sorry wegen der späten Antwort. Also nicht trinken würde ich definitiv nicht durchstehen.

      Nicht essen als Ersatz zum Schneiden. Fragt sich was ist nun das kleinere Übel. Und der „kleine Schnitt zwischendurch“ kann sicher nicht beide Seiten kompensieren. Nach Monaten ohne schneiden Kreisen die Gedanken immer mehr um dieses Thema. Es ist so verlocken und auch gleichzeitig eine Qual, der sich aufbauende Druck, die Erinnerungen an den Moment wenn die Klinge sich ihren Weg bahnt,.. . Vermutlich unterlegt mein Gehirn diese Erinnerungen mit mit viel zu positiven Gefühlen, quasi so eine Art Werbekampagne.

      Jedenfalls halte ich dem noch stand und da aus eigenem Antrieb. Hoffe ich mal, dass dies nie eskaliert.

      Wayne? Wäre es Wayne gäbe es dein Kommentar nicht. ^^

      Gruß blue-matrix

  4. Also ich denke schon, dass es einen starken Zusammenhang zwischen SVV und solch einem Essverhalten kommen kann. Kenne auch einen Freund, der aufgrund (falscher?) Schönheitsideale kaum noch was isst (er hatte sich früher auch regelmäßig selbst verletzt). Wenn man sich dessen Problem bewusst ist, dann ist glaub ich schon viel geholfen. Dann hilft sicherlich, wenn regelmäßige Esszeiten eingehalten werden. Ich esse eigentlich nur 2x am Tag. Mittags und am frühen Abend (morgens krieg ich einfach nichts runter).

    1. Also Esszeiten einhalten bekomme ich so gar nicht hin. So grobe Bereiche eventuell, aber alles andere kann man vergessen.

      das Problem SVV ist mir bewusst, soweit ich dies selbst als Problem ansehe. Die Sache mit dem Essen sieht da ein wenig anders aus. Ich tendiere da immer mehr zu meiner zweiten Theorie. Ich esse so viel wie ich brauche.

      Morgens essen ist seltsam. Hin und wieder bekomme ich die hin. ein Milch-Shake, ein Tee oder Cappuccino, selten mal Müsli oder Flakes. Ok – es gibt Ausnahmen. Da kann ich auch morgens mehr essen. Dies war zuletzt bei unserem Urlaub in Rom so. Allerdings war der Energie-Verbrauch auch höher wegen der Hitze und den ganzen Tag durch die Stadt laufen und Orte ansehen.

      Gruß blue-matrix

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