Rote Linien

Man sagt, es gäbe „Ersatzbefriedigung“ für das Selbstverletzen. Eines der berühmtesten ist wohl der Gummi am Handgelenk. Sobald man das Gefühl hat, dass es nicht mehr ohne klinge geht, schnipst man mit dem Gummi. Dies artet allerdings schnell in einem Gezerre aus, weil es irgendwann nicht mehr reicht. Außer gerissene Gummis hat man nicht viel davon.

Eine andere populäre Methode ist das malen von Linien mit einem rotem Stift. Jaja – was für ein Müll!!! Darauf können auch nur „Ärzte“ kommen.  Es geht wohl um den visuellen Aspekt.

Gestern habe ich dies versucht. Meine Gedanken waren dermassen aufgewühlt, dass es einfach nicht mehr ging. Ich wollte einfach Ruhe im Kopf haben. Ich saß also hinterm Haus im Dunkeln und sah Sehnsuchtsvoll zu mir nach oben. Leere erwartete mich dort. Im Gegensatz zu meinem Kopf, der gefüllt war mit Dingen, Gedanken und Gefühlen. Alleinsein. Es ist ein Traum und eine Hölle. Ganz klar – Einsamkeit ziehe ich dem Trubel vor. Doch 12 Stunden in einer „leeren“ Wohnung verbringen und auf Selbstgespräche angewiesen zu sein, um Kommunikation zu haben ist seltsam.

So fürchtete ich mich gestern zum ersten mal seit langem davor nach Haus zu gehen. Ich nahm meinen Stift und fing an da eine Linie zu ziehen, wo ich mit der Klinge gern lang fahren würde. Als erstes war ich ein wenig zufrieden, doch schnell merkte ich, dass etwas fehlte. Es wurde nicht besser. Im Gegenteil – mein Arm war nachher rot angemalt und gereizt,weil ich den Stift immer doller „in“ den Arm drückte. Ja – soviel dazu. Ich brauchte also keine Klinge, aber der Preis ist und bleibt zweifelhaft.

EINE KLINGE IST HYGENISCHER!!!

 

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