Bücher als Verräter

Sind Bücher Verräter?
Was verraten sie?
Wen verraten sie?
Warum tun Sie dies?
Und was denken Sie sich dabei?

Die letzte Frage ist am einfachsten geklärt. Bücher denken nicht. Bücher enthalten Gedanken, Ideen, können diese aber nicht selbst entwickeln.

Was sind Bücher? Ich kann es jetzt einfach abklären, mit: Bücher ist der Plural von Buch. Also sind Bücher mehr als ein Buch. Ende.
Ok, so einfach mache ich es mir dann doch nicht. Wikipedia erklärt „das Buch“ so:

Ein Buch ist eine mit einer Bindung und meistens auch mit Bucheinband (Umschlag, englisch Cover) versehene Sammlung von bedruckten, beschriebenen, bemalten oder auch leeren Blättern aus Papier oder anderen geeigneten Materialien. Die UNESCO definiert ein Buch als eine gedruckte, der Öffentlichkeit verfügbar gemachte, nichtperiodische Veröffentlichung mit mindestens 49 Seiten Umfang (zuzüglich der Umschlagseiten).

Dann trifft dies also auch auf Bücher zu, nur das es mindestens zwei sein müssen. Alles weitere, was man auf dieser Seit zu diesem Artikel findet stimmt schon, doch wie immer möchte ich meinen eigenen Kopf beschäftigen. Meine Theorie besagt, Bücher sind zu dem auch noch Verräter. Sie verraten alles und jeden. Angefangen vom Autoren, Lektor, Verlag bis hin zum Käufer, Leser, Besucher und und und. Ein Buch verrät den Autoren. Im Allgemeinen verrät er, womit sich dieser Mensch beschäftigt hat, was seine Interessen sind, was er weitergeben möchte. Ein Autor wird nie ein Buch über das Sexualleben von Gummibärchen schreiben, wenn er doch lieber blutrünstige Horrorszenarien entwerfen möchte. Wobei ich vermute, dass ich dies hin bekommen könnte. So mit allen schrecklichen Details, des Ablebens eines gewöhnlichen Gummibärchens. Blutrünstig ist diese Geschichte dann nur sprichwörtlich. Ok – das Beispiel ist schlecht getroffen, doch vermute ich, dass jeder weiß was ich meine. Ich schreibe keine Geschichten über Ken und Barbie da sie mich nicht interessieren. (nicht nachdenken, nicht nachdenken,… )

Was verraten uns Bücher noch über die Autoren? Der Schreibstil fällt mir da ein. Kann der Autor bildlich seine Geschichte erzählen? Erzeugt er Bilder in unserem Inneren, die sich direkt in unser Herz schleichen und dort die Worte mit Gefühlen anreichern, um uns einzufangen und unsere Gedanken hinauszutragen aus unserem alltäglichem Leben? Oder neigt er zur einer Ausdrucksweise, welche die Bindung an das Werk eher auf sachlicher Ebene herstellt? Bei dieser Gelegenheit verrät uns das Buch auch gleich wie viele unterschiedliche Adjektive der Autor kennt und wie er sie einzusetzen vermag.

Diese Frau ist schön.
Wow, ist diese Frau sexy.
Diese Frau ist wunderschön.
Diese Frau ist der Morgentau für meine Seele.
Diese Frau ist so wunderschön, dass der Morgen errötet sobald er ihrer Ansichtig wird.
Diese Frau ist so wundervoll, dass ich dazu neige jedes mal niederzuknien und sie anzubeten, sobald sie den Raum betritt.
Diese Frau hat ein symmetrisches Gesicht.*

*(Eine wissenschaftliche Umschreibung für ein schönes Gesicht. Menschen stehen wohl drauf.)

Wie verraten Bücher den Verlag? Gute Frage. Ich denke dies sieht am wenn man sich das Angebot anschaut. Wird dort grundsätzlich alles verlegt? Welche Kriterien muss der Autor erfüllen? Spezialisiert sich der Verlag? Mein Lieblingsverlag ist der Festa Verlag. Hier gibt es Bücher zum Thema Horror, Vampire, Fantasie. Suche ich Bücher aus dem Bereich Anti-Pop ist meine Anlaufstelle der UBooks Verlag. Möchte ich kommerzielle Bücher gebunden in einem tollem Design haben schaue ich erst bei Hoffmann und Campe nach. Dann nenne ich mal noch Schwert und Feder, ich danke diesen Verlag für die Sookie Stackhouse Romane. So viel zu den Verlagen.

Kommen wir zu den Konsumenten. Schenkt mir jemand ein Buch, beginnt schon der Verrat. Ich sehe mir das Buch an und dieses verrät mir, wie sehr sich mein Gönner mit mir auseinander gesetzt hat. Gibt es das Buch schon bei mir? (Ok – ein wenig unfair, da sich meine Sammlung ständig erweitert.) Passt es zu meinen Interessen? Ist es ein Hardcover, Paperback oder Broschiert? Ist es der Versuch mir neue Welten zu zeigen, oder total an mir vorbei? Und während ich alle diese Informationen verarbeite, verrät das Buch dem Gönner, ob ich das Buch mag, liebe, neugierig drauf bin, es ablehne und einige mehr. Natürlich nur wenn er/sie meine Mimik und Gestik deuten kann. Klasse, oder?

Die Bücher, welche schon in meiner Wohnung verweilen verraten ganz ähnlich meinen Besuchern, was mich in welchem Maße interessiert. Nur hier muss man nicht auf mich achten, sondern einfach nur die Bücher ansehen. Zum Beispiel stehen bei mir mehr als 100 Vampirbücher in den Regalen. Es lässt darauf schließen, das ich ein gesteigertes Interesse an diesem Thema habe. Da auch Sachbücher sich darunter befinden kann man getrost davon ausgehen, das ich dieses Thema nicht nur bis in die Gedankenwelt von Romanautoren verfolge, sondern auch an Bereichen Geschichte, Medizin, Fetisch usw. interessiert bin. Meine Bücher verraten auch temporäre, berufliche und vergangene Interessen. Meine Kindheit können sie nicht mehr preisgeben, da die meisten dieser Bücher verschollen sind. (Mein „Dank“ geht hier an einen Säufer.) Meine Bücher verraten sogar was ich esse.

Warum tun Bücher dies? Ähnlich wie bei der ersten Frage, der ich nachgegangen bin muss man den Büchern hier zu Gute halten, dass sie dies nicht absichtlich tun. (hoffe ich) Bücher zeigen den Menschen nur, was diese bereit sind zu sehen und zu interpretieren. Ein Buch, welches ich kaufen muss, weil es ein Umstand erfordert kann ich auch gebraucht kaufen. Mag ich es, kann ich es auch gebraucht kaufen, suche mir aber eine sehr gut erhaltene Version. Bücher die ich sehr mag und ich kann es mir leisten, diese kaufe ich neu. Und besondere versuche ich als Hardcover zu erwerben. Ganz besondere Bücher schaffen es in verschiedenen Ausgaben in meinem Regal zu stehen. So zum Beispiel Bram Stokers Dracula und auch Oscar Wildes Das Bildnis des Dorian Gray. Bücher verraten also, weil wir denken können. Wenn meine Bücher meine Interessen an jemanden verraten, weiß ich, dass dieser Mensch sich mit mir beschäftigt. Ob im positiven oder negativen Sinne ist dabei nebensächlich. Beschäftigt man sich mit andere Menschen, zeigt man Interesse. Und das ist besser als den „Egal Status“ zu erhalten.

Übrigens: Allgemein interessiere ich mich, außer wenigen Ausnahmen, nicht für meine Mitmenschen. Aber ich interessiere brennend mich für das was sie lesen.

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