Kuss der Dunkelheit

Ihre Blicke glitten langsam über den Körper neben ihr. Die Haut hatte eine hellblaue Farbe. Sie ist samtig weich und hat eine leichte Kühle. Sie duftet auch immer ein wenig nach dem Meer. So das viele Wesen des Wassers sich sehr wohl in ihrer Gegenwart fühlen. Dies ist wohl auch der Grund, weswegen sie die Vertreterin für die Angelegenheiten der Wasservölker am Hofe ist. Ihr Vater hatte sich in der alten Zeit in eine Tochter von Poseidon verliebt. Trotz der Verbote und der Konflikte, die damals die verschiedenen Völker entzweite schafften es die beiden sich durchzusetzen und blieben ihrer Liebe treu. Nun ist sie jenes wundervolle Wesen, halb Sidhe halb Wasserelfe.

Artanis berührte sanft das Haar, welches wie ein Strom aus Wasser den Körper von Ainariël bedeckte. Es war nicht ganz weiß, im Sonnenlicht schimmert es immer ein wenig blau und verstärkt so den Eindruck von klarem fließendem Wasser. Artanis wurde wieder einmal bewusst, warum ihr diese Welt so fehlt wenn sie in den Städten dieser Welt unterwegs ist. Die Welt der Elfen und Halbelfen bietet viele wundervolle Wesen. Ainariël Lossëhelin ist eines der schönsten in dieser Welt. Artanis eigene Haut ist fast weiß. Durch das blau der Adern, wirkt es als hätte sie einen Körper aus Marmor. Mit einer Toga bekleidet glich sie immer einer der vielen griechischen Statuen. Was sie auch in der Vergangenheit immer wieder gern ausnutzte. Sie liebte es als Statue in einen der Gärten herumzustehen und heimlich die Menschen zu beobachten.

Menschen. Damals hätte niemand gedacht, dass die Elfen in die Welt der Menschen flüchten würden. Schlimmer sie mussten um Asyl bitten. Die Menschen gewehrten es ihnen nur mit vielen Auflagen. Am einfachsten ist das Leben noch in Amerika. Hierhin zogen die beiden Höfe der Sidhe. Die Seelie, ein Hof voller Licht, Schönheit, Glanz und Schein. Die Unseelie, das dunkle Gegenteil, voll mit Schmerz, Folter und Intrigen. Doch auch hier gibt es Schönheit. Dafür sorgt nicht nur die Anwesenheit der Unseelie, sondern auch die der Halbelfen, die am Hofe der Seelie nicht erwüscht sind. So auch Ainariël. Artanis dachte an die vergangenen Stunden zurück. Sie hatte sich Ainariël schon öfter hingegeben, doch nie war es so voller Leidenschaft. Inmitten ihres Liebesspieles verschmolzen und ertranken sie ineinander. Das gesamte Zimmer wurde überflutet mit ihrem Licht. Ja, zum ersten Mal in ihrem Leben wurde Artanis ganz zu einer Lichtgestalt. Nun ahnte sie, warum Menschen vor Sehnsucht sterben, wenn sie einmal mit einer Sidhe Sex hatten.

Die hohe Mauer war kein Hindernis, welches die beiden Gestalten aufhalten könnte. Elegant sprangen die sechs verhüllten Eindringlinge hinüber. Jeder nahm einen kurzen Widerstand wahr, eine magische Barriere. Doch trotz der Leichtigkeit mit der sie diese durchbrachen, wussten sie, dass hier jemand wusste was er tat. Auf der anderen Seite der Mauer erwartete sie ein Garten, der selbst in dieser dunklen Nacht in allen Farben leuchtete. Doch dafür hatten die Eindringlinge keine Augen. Sie witterten ihre Beute.

Artanis stieg vorsichtig aus dem Bett. Sie wollte Ainariël nicht wecken. Sie ging in den Garten. Der diese lebt von der Energie der Elfen und bringt daher die seltsamsten Pflanzen hervor. Einige haben die Elfen aus ihrer alten Welt mitgebracht, doch viele sind erst hier neu entstanden. Dank des magischen Einflusses herrscht in dieser kleinen Welt ein ganz anderes Klima. Artanis war sich allerdings auch bewusst, dass nur wenige Meter hinter der Mauer der Einfluss aufhörte, ja sogar immer weniger wurde. Seit die Elfen sich kaum noch vermehren schwindet auch die Magie, die jeder neue Elf in die Welt mitbringt. Die Welt der Elfen droht zu vergehen.
Trotz der düsteren Gedanken die dieses Wissen hervorruft beschloss Artanis sich ein wenig Erfrischung und damit auch Erheiterung zu gönnen. Sie blickte ein wenig verträumt auf ihre weiße Haut, die noch immer leuchtete. Sogar als sie in das Wasser eintauchte konnte man sie bis an die Oberfläche schimmern sehen. Artanis mochte es schon immer, wie das Wasser ihren Körper umschloss, doch diesmal weckte es in ihr die Sehnsucht nach der Leidenschaft der vergangenen Stunden. Bevor sie vollends in das Wasser eintauchte beschloss sie, Ainariël aus ihren Träumen zu küssen, und mit einem Lächeln auf den Lippen wählte sie die Stelle aus, der sie sich widmen würde.

Es war das sanfte Plätschern des Wassers, welches die Jäger auf der Stelle verharren ließ. Das Eindringen in den Hof der Unseelie war zumindest in der Nacht gefährlicher als ein Ausflug an den Hof des Lichtes. Denn viele Unseelie, bei den Menschen auch als Dunkelelfen bekannt, hatten eine Vorliebe für die Nacht. Die Jäger glitten weiter durch die Nacht. Ihr Anführer, nur zu unterscheiden durch blutrote Ornamente auf seinem Umhang, führte seine Gefährten in Richtung des kleinen Sees. Er hatte am Duft ihr Ziel erkannt. Es wird also schwerer werden als erwartet. Stumm gab er Befehle. In Zweiergruppen verteilten sie sich um den See.

Da war sie, Artanis Ar-Feiniel, genau wie sie auf alten Bildern beschrieben wurde. Ihr langes weißes Haar umfloss ihren Körper, der in der Dunkelheit schimmerte. Elrohir lächelte, als er dies sah. Kein Lichtelf hätte sich so nach draußen begeben. Doch am Hofe der Unseelie ging man mit diesen Sachen anders um. Es gab viele Geschichten über die „Partys“ der Unseelie Königin. Sich nackt zu zeigen war hier nichts Besonderes. Interesse an dem Gegenüber zu verheimlichen dagegen eine Beleidigung. Elrohir dachte an sein Haus.

Elrohir Calafalas war Angehöriger des dritten Hofes der Elfen. Neben den beiden bekannten Höfen existiert noch ein weiterer Hof. Diesen verheimlichten die beiden anderen Höfe bei den Verhandlungen mit den Menschen. Denn der Unseeliehof ist nicht der dunkelste Ort, sondern der der untoten Sidhe. Während Seelie und Unseelie für das ewige Leben stehen, steht der dritte Hof für das ewige Unleben. Untote Sidhe sind geborene Vampire. Im Gegensatz zu geschaffenen Vampiren konnten zwei geborene Vampire Kinder zeugen. Elrohir ist einer der ältesten Vampire dieser und der vergangenen Welt. Seine Haut ist ganz weiß. Sein Haar, was wie bei vielen Sidhe hat bis zu den Knöcheln reichte, war schwarz und hatte purpurne Strähnen. Er hatte es mit einem Lederband zusammengebunden. Er wurde immer von Dunkelheit begleitet. Diese kann er nach seinen Wünschen formen und benutzen. Die Dunkelheit ist im hörig. Vor tausenden von Jahren hat ein Unseelie, mit Namen Doyle, in einem Krieg gegen die Vampire versucht die Dunkelheit gegen Elrohir einzusetzen. Bei diesem Versuch kam der Unseelie nur knapp mit seinem Leben davon. Und dies auch nur, weil seine Königin eingriff und ihn beschützen konnte. Dieser Sidhe hat seitdem ein wenig Dunkelheit in sich. Als er sich von dem Schlag erholte, lernte er mit dieser Dunkelheit umzugehen und sie für sich zu nutzen. Heute ist er unter den Sidhe als der Königin Finsternis bekannt. Elrohir lächelte leicht bei diesem Gedanken. Seine Kinder hatten mehr Finsternis in sich als dieser Nachkomme einer Hündin.

Elrohir fing an die Dunkelheit zu rufen. Er legte sie wie ein Tuch über dieses Anwesen. Ganz vorsichtig, wie ein Netz bewegt sich die Dunkelheit auf den See zu. Die Geräusche der Nacht verstummten nicht, sondern wurden einfach verschluckt.

Artanis merkte erst gar nicht die Veränderung, die geschah. Doch als sich Dunkelheit am Rand des Sees sammelte, wusste sie, dass etwas ernsthaft nicht stimmte. Sie suchte den Garten ab, doch konnte kaum etwas erkennen. Alle Lichter der Nacht waren verschwunden. Ihr Herz fing an schneller zu schlagen. Instinktiv wich sie immer weiter in die Mitte des Sees, um der Dunkelheit zu entkommen. Und dann sah sie die Gestalten am Ufer. Es waren die Augen, die sie zu erst wahrnahm. Kleine bläuliche Lichter. Sofort war ihr klar, dass sie in Schwierigkeiten war. Sie versuchte zu schreien, doch es war nichts zu hören. Der Schrei verschwand einfach in der Dunkelheit. Auch ein telepathischer Hilferuf versagte. Ihr Herz schlug nun hörbar. Diese Augen sah sie zum letzen Mal im letzen Krieg gegen den untoten Hof. Artanis hätte nicht gedacht, dass diese Kreaturen es wagen würden hier zu erscheinen. Nie hat es jemand gewagt in den Hof einzudringen. Sogar die neugierigen Menschen hielten sich instinktiv fern. War die Macht der Unseelie mittlerweile so sehr geschwächt, dass die Feinde es wagten hier einzufallen? Artanis versuchte eigene Magie zu beschwören. Doch die Dunkelheit saugte diese sofort gierig in sich auf, so dass sie diese nicht nutzen konnte. Um die Vampire nicht noch zu stärken gab sie diesen Versuch auf.

Ja, die Dunkelheit hat sie eingeschlossen. Elrohir nutzte die Dunkelheit wie eine Hand und zog Artanis zu sich ans Ufer. So gefesselt stand sie vor ihm. Artanis konnte es kaum glauben. Elrohir Calafalas persönlich schaute ihr in die Augen. Trotz der Furcht zwang sie sich zur Ruhe. „Was soll das?“ fragte sie ein wenig hysterischer, als sie wollte. „Wer hat Euch hier her eingeladen?“
Elrohir bewunderte ihren Mut, konnte aber ihre Angst wie jeder Jäger wahrnehmen. Und etwas war da noch, das Blut, das durch Ihren Körper floss. Jeden ihrer Herzschläge konnte er fühlen. Trotzdem er nur noch selten trinken musste, bekam er ein unglaubliches Verlangen nach ihrem Blut. Er zwang sich, seine Aufmerksamkeit wieder auf Artanis zu lenken. Diese schaute ihn aufmerksam an. „Artanis Ar-Feiniel, auch ich freue mich Euch zu sehen.“ „Was soll das? Bin ich so eine Art Nachtmahl für Euch? Ihr schaut mich an, als wäre ich ein Snack für Euch.“ Elrohir funkelte sie wütend an und entblößte dabei seine Zähne. Er hasste es, die Kontrolle zu verlieren und gerade hat er sie an einen kurzen Traum verloren. Aber ein wenig von ihr zu kosten war schon verlockend. Er ließ den Gedanken fallen und schlug stattdessen mit mentaler Kraft gegen ihren Geist. Artanis sank in sich zusammen. Gestützt von der Dunkelheit stand sie bewusstlos im Kreise der Vampire. Ein etwas kräftig aussehender legte sie sich über die Schulter. Und folgte den anderen in Richtung Mauer. Diese war trotz des zusätzlichen Gewichtes kein Hindernis für ihn. Auf der anderen Seite warteten ihre Pferde auf sie. Elrohir nahm Artanis vor sich auf sein Pferd. Ihre Hände fesselte er mit einem Seil, auf dem ein Bann lag, an den Sattel. Dies sollte verhindern, dass sie nebenbei Magie rufen kann. Die Hände sind dafür zwar nicht notwendig, doch hilft es ein wenig sich zu konzentrieren. Elrohir war sich sicher, dass seine Gefangene in dieser Situation es etwas schwer hatte ihre Magie zu beschwören. Ein Blick zum Himmel bestätigte ihm, was er sowieso schon instinktiv wusste, sie hatten nur noch wenig Zeit bis zu ihrer Unterkunft. Stumm ritt er los. Gefolgt von seinen Gefährten jagte er durch die Nacht. Kilometer um Kilometer legten die Pferde zurück, ohne ein sichtbares Anzeichen der Erschöpfung. Genau wie ihre Reiter waren diese Pferde weder tot noch lebendig. Und genau wie die Reiter mussten auch die Pferde bei Tageslicht verborgen werden. Elrohirs Pferd Séregon begleitete ihn nun schon seit 2000 Jahren. Es ist ein treuer Freund geworden. Séregon kennt die Strecke genau, denn er kennt die Gedanken seines Freundes.

Eine Stunde vor Sonnenaufgang erreichten sie das Versteck. Eine Höhle in den Bergen. Unauffällig, und doch groß genug, um allen Schutz zu geben. Es blieb nur noch wenig Zeit. Nach einer kurzen Besprechung suchte sich jeder bis auf Elrohir ein Platz zum schlafen. Elrohir hatte vor wach zu bleiben und die Gefangene zu bewachen. Er setzte sich ihr gegenüber und schaute sie an. In all seinen Jahren in dieser Welt war er nie jemanden wie ihr begegnet. Nie hatte er das Gefühl gehabt, dass ihm was fehlen könnte, doch nun nagte etwas an ihm. Natürlich hatte er Nachkommen. Doch diese waren politisch motiviert gewesen, oder zufällig entstanden, doch nach so vielen Menschenleben fing nun die Einsamkeit an, an ihm zu nagen. Artanis Blut verströmte einen Duft, der im drohte den Verstand zu vernebeln. Sie war noch immer nackt. Elrohir überlegt, ob er seinen Mantel über sie legen solle. Doch dies könnte als Schwäche ausgelegt werden. Und dies konnte er sich nicht erlauben. Am Hofe der untoten Sidhe gab es Regeln, die man besser beachtete.

Artanis war schon eine Weile wach, doch sie rührte sich nicht. Am Anfang versuchte sie noch Magie aus der Erde zu beschwören, doch sie war einfach zu weit von zu Haus entfernt und die Fesseln schienen mit einer Art Bann belegt zu sein, der das Beschwören noch erschwerte. Nach einiger Zeit hatte sie es geschafft ein wenig Magie in Ihren Händen zu versammeln. Doch wusste sie nicht, was sie damit anstellen konnte. Für einen Befreiungsversuch, oder einen Angriff war dies zu wenig. Also überlegte sie sich einen anderen Plan. Wenn sie es schaffte, dass ein Untoter sie losband, dann konnte sie auch versuchen, es mit ihm aufzunehmen, oder einfach in den Tag hinaus rennen und ihm so entkommen. Sie ließ ihre mentalen Sinne durch die Höhle streifen, ganz vorsichtig näherte sie sich jedem Vampir und prüfte wie fest sie schliefen. Mit Erschrecken stellte sie fest, dass sie keinerlei Leben in sich hatten. Stimmte es also, dass Vampire tagsüber tot sind? Sie würde später darüber nachdenken. Plötzlich prallten ihre Sinne gegen eine mentale Schutzbarriere. Ein wacher Vampir? Sie sog ihre Sinne ein wenig zurück. Nachdem nichts geschah, wagte sie noch einen Vorstoß. Behutsam tastete sie den Schild ab, in der Hoffnung einen Durchgang zu finden. Und sie fand einen. Erschrocken stellte sie fest, dass es Elrohir war, den sie dort entdeckt hat. Noch nie war sie einer derart starten Präsenz begegnet. Die Dunkelheit in und um ihn herum machte ihr Angst. Doch war sie auch neugierig. Nachdem sie einen Zugang zu seinen Gedanken gefunden hatte, stellte sie überrascht fest, dass seine Gedanken sich um sie drehten. Artanis wusste nicht, ob das nun ein Kompliment war oder nicht. Sie entschied sich für das Kompliment und machte sich gleich darauf einen Vorwurf deswegen. Dieser Mann hatte es gewagt sie zu entführen! Und doch erinnerte sie sich an die Begegnung am See. Das Dunkel an ihm gefiel ihr, auch wenn sie es lieber nicht zugeben würde. Es gab Sidhe am Unseeliehof, die etwas Dunkles an sich hatten, doch keinem stand es so gut wie Elrohir. Es gab da noch die Finsternis der Königin, doch zu auf ihn zu hoffen, war vergeblich. Andais, die Königin von Luft und Finsternis, hat ihrer Leibwache das Zölibat aufgezwungen. Wenn sie ihre Raben, so wurde die Leibwache der Königin genannt, nicht haben durfte, dann sollte sie auch kein anderer haben und besonders keine andere Frau.

Elrohirs Gedanken drehten sich mittlerweile nur noch um diese Frau. Sein Hunger wuchs immer mehr. Artanis genoss die Aufmerksamkeit. Ihr Herz schlug ein wenig schneller. Sie versuchte sich zur Vernunft zu bringen, doch es klappte nicht. Irgendwas an diesem Vampir zog sie an. Und dann wusste sie, wie sie loskommen würde. Mit dem bisschen Magie, verstärkte sie Ihren Duft und ließ ihre Haut ein wenig schimmern. Erfreut stellte sie fest, dass ihr Entführer fast sofort reagierte. Er wollte sie berühren, wollte mit seinen Fingern über ihre Haut fahren. Sie verstärkte seinen Wunsch mit dem Rest Magie. Er stand auf, und ließ sich bei ihr nieder. Er hatte noch immer nicht mitbekommen, dass sie schon wach war. Sie fühlte sein Atem auf ihrer Haut. Untote atmen doch? Ein Kribbeln überzog ihren Nacken. Artanis hoffte, dass er dies nicht mitbekam. Zum Glück wurde ein großer Teil ihres Körpers von ihren Haaren bedeckt. Artanis stellte fest, dass sie die Berührung herbei sehnte. Sie war Opfer ihres eigenen Spiels geworden. Endlich fühlte sie seine Berührung. Unendlich sanft fuhr er die Linen auf ihrem Rücken entlang. Dann plötzlich fühlte sie einen Schmerz und danach wie ihr warmes Blut den Rücken entlang lief. Elrohir war ganz versunken, gefangen in der kleinen Verzauberung. Er merkte nicht, wie sich der Körper von Artanis gegen seine Hand presste. Stattdessen blickte er auf die blauen Linen unter ihrer Haut. Er hatte mit seinen Zähnen eine diese Adern geöffnet, nur um ein wenig zu kosten. Noch nie hatte er von einer lebenden Sidhe getrunken. Der Geschmack war einmalig. So voller Leben, dass er von einem Schluck fast trunken wurde. Tausende Liter Blut von Menschen konnten nicht das fühlen lassen, was er hier in wenigen Tropfen fand.

Artanis drehte sich um. Und sah ihren Entführer in die Augen. Diese waren schwarz mit einem silbernen Rand. Innen war wieder dieses blaue Leuchten zu sehen. Sie wusste, sie war ihm verfallen. Sie wollte ihn und gab sich ihm hin.

Elrohir schaute nun in ihr Gesicht. Sie schien dasselbe Verlangen zu spüren wie er. Wie konnte dies nur passieren? Er nahm sich vor dies später zu ergründen, derzeit war er einfach nicht in der Lage dazu. Er beugte sich zu ihr hinab und gab ihr einen Kuss auf die Lippen. Sie erwiderte den Kuss. Etwas unsicher zog er sich etwas von ihr zurück. Doch sie folgte ihm und presste ihre Lippen auf seinen Mund. Mit der Zungenspitze fuhr sie sanft über seine Lippen und er ließ sie ein. Elrohir konnte sich nicht mehr zurückhalten. Er legte Ihren Kopf zurück auf den Boden und erwiderte leidenschaftlich ihren Kuss. Dabei vergaß er ganz, dass sie eine lebende Sidhe war. Seine spitzen Zähne ritzen ihre Lippen und die Zunge, und er trank das Blut. Gefangen in dem Gefühl aus Lust und Schmerz biss Artanis in die Lippe von Elrohir. Mehrere Tropen seines schweren Blutes ergossen sich in ihren Mund. Zu spät bemerkte dies Elrohir. Verständnislos starrte er sie an. Seine Augen vor Schrecken geweitet. Wusste diese Sidhe nicht, was sie tat? Für einen Menschen bedeutet der Bluttausch mit einem Vampir, dass er auch zu einem wird. Doch für eine lebende Sidhe war es das Ende. Das ewig Untote und das ewig Lebende können nie in einem Körper zugleich existieren.

Artanis sah den Schrecken in den Augen von Elrohir. Sie versuchte zu verstehen. Plötzlich fing ihr Körper an zu schmerzen. Wie ein Feuer breitete sich der Schmerz in ihrem Inneren aus. Sie fühlte, wie ihre eigene Magie ihren Körper verließ. Sie wusste nicht was geschah. Elrohir versuchte ihr etwas zu sagen, doch sie hörte ihn nicht. Ihr ganzes Inneres hatte sich in ein Rauschen verwandelt. Dann fühlte sie, wie sie sich auflöste, sie fühlte es nicht nur, sondern sah es auch. Kleine Lichtpunke, die zum Licht schwebten. Nun wusste sie was passiert war. Ihr Körper kann nicht im Zustand weder untot noch lebendig existieren, daher löste sie sich einfach auf. Bevor sie sich auflöste sah sie noch die rote Träne auf dem Gesicht von Elrohir und sie sah, dass auch er sich auflöste. Ihr Blut in ihm hatte dieselbe Wirkung wie seines in ihr. Nur ihres schenkt eigentlich Leben.

01.Februar 2007

(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea | blue-matrix

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