Zahnprobleme

James musste des Nachts zum Notzahnarzt, da sein „rechts-ganzhinten-oben-Zahn“ wahnsinnig schmerzte. Zwar schon seit Wochen, doch James hielt es gerade heute nicht mehr aus. Auf dem Stuhl, ängstlich dem Arzt ausgeliefert, der fast in den Mund seines Patienten zu krabbeln schien, saß er da und schwitzte vor sich hin, als plötzlich der Wolkenhimmel aufriss und der Vollmond ins Zimmer strahlte. James, nun ein Werbär, freute sich über den Happen zu später Stunde und dies auch noch ganz bequem quasi auf dem silbernen Tablett serviert. Seine Schmerzen aber blieben.

Oliver B. Bojar de la Transilvanea | blue-matrix
09. Juni 2009

Kleine Sticheleien

Nachdem Mom und Dad ihren kleinen Timmy liebevoll ins Bett gebracht haben, ihm eine Geschichte vorgelesen und abschließend seine Augen mit zärtlichen Küssen verschlossen hatten, zogen sie sich in ihr Wohnzimmer auf das Sofa zurück, um zusammen gekuschelt einen Film zu genießen. Nach einiger Zeit, die beiden waren mit Zärtlichkeiten beschäftigt, fiel der Blick von Mom zum Sessel. Dort saß hochkonzentriert, dem Film folgend Klein-Timmy. Kleine Sticheleien weiterlesen

Momente

Du stehst am Fenster, deine Arme vor deinem Bauch verschränkt. Dein Kleid fällt sanft an deinem Körper herab, zeichnet fein deine Form nach. Dein Haar fließt in weichen Wellen an deinem Rücken herunter. Auch wenn ich sie nicht sehen kann, weiß ich doch, dass eine Strähne sich seitlich an dein Gesicht schmiegt. Du stehst ganz still und schaust aus dem Fenster. Leise gehe ich auf dich zu. Ich bin noch einen Schritt von dir entfernt. Dein Körper empfängt mich mit seinem Duft. Ich liebe ihn. Ich mag ihn an den Kleidungsstücken, die du mir hinterlässt. Doch an dir ist er noch viel aufregender. Deine Wärme strömt mir entgegen, ein wohliges Gefühl. Sie hüllt mich ein. Gibt mir das Gefühl in dich einzutauchen. Augenblicke bevor wir uns berühren fängt meine Haut an zu kribbeln. Meine Erregung, dich endlich zu umarmen erreicht ihren Höhepunkt und wird belohnt werden mit dem Glücksgefühl dich endlich zu halten. Noch fehlen Millimeter, da lässt du dich rückwärts an mich sinken, kuschelst dich an meine Brust. Deine Brust hebt und senkt sich ganz ruhig. Lediglich das Schlagen deines Herzens verrät mir, dass auch du aufgeregt bist, mich voller Sehnsucht erwartet hast. Meine Hände legen sich auf deine Hüften. Der Stoff deines Kleides ist warm und leicht rau. Meine Hände suchen sich den Weg zu deinem Bauch. Ich will dich ganz umarmen. Auf ihrem Weg kommen sie an der Stelle vorbei, die ich so sehr mag. Ich versuche ein wenig liebevoller darüber zu streifen. Obwohl ich mir sicher bin, dass dies nicht geht. Du legst deinen Kopf an meine Schulter, deine Lippen öffnen sich einen kleinen Spalt und entlassen ein kleines Stöhnen. Meine Hände berühren die deinen. Sanft fahre ich über die Haut, deine Finger geben den Weg für meine frei. Ineinander geschlungen halten wir uns fest. Du presst unsere Hände fest gegen deinen Bauch. Dein Kopf ruht noch immer leicht nach oben geneigt an meiner Schulter, gibt so die Sicht auf deinen Hals frei. Ich küsse ihn zärtlich dort, wo die pochende Ader unter deiner Haut verläuft. Meine kühlen Lippen erwärmen sich schnell. Dein Duft empfängt mich hier noch viel stärker. Ich kann nicht widerstehen, meine Zunge durchbricht meine Lippen. Als sie deine Haut berührt entweicht auch mir ein kleines Stöhnen. Dein Geschmack strömt förmlich in mich hinein. Unser Körper pressen sich stärker aneinander, versuchen anscheinend miteinander zu verschmelzen.

Ich flüstere: „Hallo mein Schatz. Ich liebe dich.“ Du drehst dich um und umarmst mich stürmisch.

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Kuss der Dunkelheit

Ihre Blicke glitten langsam über den Körper neben ihr. Die Haut hatte eine hellblaue Farbe. Sie ist samtig weich und hat eine leichte Kühle. Sie duftet auch immer ein wenig nach dem Meer. So das viele Wesen des Wassers sich sehr wohl in ihrer Gegenwart fühlen. Dies ist wohl auch der Grund, weswegen sie die Vertreterin für die Angelegenheiten der Wasservölker am Hofe ist. Ihr Vater hatte sich in der alten Zeit in eine Tochter von Poseidon verliebt. Trotz der Verbote und der Konflikte, die damals die verschiedenen Völker entzweite schafften es die beiden sich durchzusetzen und blieben ihrer Liebe treu. Nun ist sie jenes wundervolle Wesen, halb Sidhe halb Wasserelfe.

Artanis berührte sanft das Haar, welches wie ein Strom aus Wasser den Körper von Ainariël bedeckte. Es war nicht ganz weiß, im Sonnenlicht schimmert es immer ein wenig blau und verstärkt so den Eindruck von klarem fließendem Wasser. Artanis wurde wieder einmal bewusst, warum ihr diese Welt so fehlt wenn sie in den Städten dieser Welt unterwegs ist. Die Welt der Elfen und Halbelfen bietet viele wundervolle Wesen. Ainariël Lossëhelin ist eines der schönsten in dieser Welt. Artanis eigene Haut ist fast weiß. Durch das blau der Adern, wirkt es als hätte sie einen Körper aus Marmor. Mit einer Toga bekleidet glich sie immer einer der vielen griechischen Statuen. Was sie auch in der Vergangenheit immer wieder gern ausnutzte. Sie liebte es als Statue in einen der Gärten herumzustehen und heimlich die Menschen zu beobachten.

Menschen. Damals hätte niemand gedacht, dass die Elfen in die Welt der Menschen flüchten würden. Schlimmer sie mussten um Asyl bitten. Die Menschen gewehrten es ihnen nur mit vielen Auflagen. Am einfachsten ist das Leben noch in Amerika. Hierhin zogen die beiden Höfe der Sidhe. Die Seelie, ein Hof voller Licht, Schönheit, Glanz und Schein. Die Unseelie, das dunkle Gegenteil, voll mit Schmerz, Folter und Intrigen. Doch auch hier gibt es Schönheit. Dafür sorgt nicht nur die Anwesenheit der Unseelie, sondern auch die der Halbelfen, die am Hofe der Seelie nicht erwüscht sind. So auch Ainariël. Artanis dachte an die vergangenen Stunden zurück. Sie hatte sich Ainariël schon öfter hingegeben, doch nie war es so voller Leidenschaft. Inmitten ihres Liebesspieles verschmolzen und ertranken sie ineinander. Das gesamte Zimmer wurde überflutet mit ihrem Licht. Ja, zum ersten Mal in ihrem Leben wurde Artanis ganz zu einer Lichtgestalt. Nun ahnte sie, warum Menschen vor Sehnsucht sterben, wenn sie einmal mit einer Sidhe Sex hatten.

Die hohe Mauer war kein Hindernis, welches die beiden Gestalten aufhalten könnte. Elegant sprangen die sechs verhüllten Eindringlinge hinüber. Jeder nahm einen kurzen Widerstand wahr, eine magische Barriere. Doch trotz der Leichtigkeit mit der sie diese durchbrachen, wussten sie, dass hier jemand wusste was er tat. Auf der anderen Seite der Mauer erwartete sie ein Garten, der selbst in dieser dunklen Nacht in allen Farben leuchtete. Doch dafür hatten die Eindringlinge keine Augen. Sie witterten ihre Beute.

Artanis stieg vorsichtig aus dem Bett. Sie wollte Ainariël nicht wecken. Sie ging in den Garten. Der diese lebt von der Energie der Elfen und bringt daher die seltsamsten Pflanzen hervor. Einige haben die Elfen aus ihrer alten Welt mitgebracht, doch viele sind erst hier neu entstanden. Dank des magischen Einflusses herrscht in dieser kleinen Welt ein ganz anderes Klima. Artanis war sich allerdings auch bewusst, dass nur wenige Meter hinter der Mauer der Einfluss aufhörte, ja sogar immer weniger wurde. Seit die Elfen sich kaum noch vermehren schwindet auch die Magie, die jeder neue Elf in die Welt mitbringt. Die Welt der Elfen droht zu vergehen.
Trotz der düsteren Gedanken die dieses Wissen hervorruft beschloss Artanis sich ein wenig Erfrischung und damit auch Erheiterung zu gönnen. Sie blickte ein wenig verträumt auf ihre weiße Haut, die noch immer leuchtete. Sogar als sie in das Wasser eintauchte konnte man sie bis an die Oberfläche schimmern sehen. Artanis mochte es schon immer, wie das Wasser ihren Körper umschloss, doch diesmal weckte es in ihr die Sehnsucht nach der Leidenschaft der vergangenen Stunden. Bevor sie vollends in das Wasser eintauchte beschloss sie, Ainariël aus ihren Träumen zu küssen, und mit einem Lächeln auf den Lippen wählte sie die Stelle aus, der sie sich widmen würde.

Es war das sanfte Plätschern des Wassers, welches die Jäger auf der Stelle verharren ließ. Das Eindringen in den Hof der Unseelie war zumindest in der Nacht gefährlicher als ein Ausflug an den Hof des Lichtes. Denn viele Unseelie, bei den Menschen auch als Dunkelelfen bekannt, hatten eine Vorliebe für die Nacht. Die Jäger glitten weiter durch die Nacht. Ihr Anführer, nur zu unterscheiden durch blutrote Ornamente auf seinem Umhang, führte seine Gefährten in Richtung des kleinen Sees. Er hatte am Duft ihr Ziel erkannt. Es wird also schwerer werden als erwartet. Stumm gab er Befehle. In Zweiergruppen verteilten sie sich um den See.

Da war sie, Artanis Ar-Feiniel, genau wie sie auf alten Bildern beschrieben wurde. Ihr langes weißes Haar umfloss ihren Körper, der in der Dunkelheit schimmerte. Elrohir lächelte, als er dies sah. Kein Lichtelf hätte sich so nach draußen begeben. Doch am Hofe der Unseelie ging man mit diesen Sachen anders um. Es gab viele Geschichten über die „Partys“ der Unseelie Königin. Sich nackt zu zeigen war hier nichts Besonderes. Interesse an dem Gegenüber zu verheimlichen dagegen eine Beleidigung. Elrohir dachte an sein Haus.

Elrohir Calafalas war Angehöriger des dritten Hofes der Elfen. Neben den beiden bekannten Höfen existiert noch ein weiterer Hof. Diesen verheimlichten die beiden anderen Höfe bei den Verhandlungen mit den Menschen. Denn der Unseeliehof ist nicht der dunkelste Ort, sondern der der untoten Sidhe. Während Seelie und Unseelie für das ewige Leben stehen, steht der dritte Hof für das ewige Unleben. Untote Sidhe sind geborene Vampire. Im Gegensatz zu geschaffenen Vampiren konnten zwei geborene Vampire Kinder zeugen. Elrohir ist einer der ältesten Vampire dieser und der vergangenen Welt. Seine Haut ist ganz weiß. Sein Haar, was wie bei vielen Sidhe hat bis zu den Knöcheln reichte, war schwarz und hatte purpurne Strähnen. Er hatte es mit einem Lederband zusammengebunden. Er wurde immer von Dunkelheit begleitet. Diese kann er nach seinen Wünschen formen und benutzen. Die Dunkelheit ist im hörig. Vor tausenden von Jahren hat ein Unseelie, mit Namen Doyle, in einem Krieg gegen die Vampire versucht die Dunkelheit gegen Elrohir einzusetzen. Bei diesem Versuch kam der Unseelie nur knapp mit seinem Leben davon. Und dies auch nur, weil seine Königin eingriff und ihn beschützen konnte. Dieser Sidhe hat seitdem ein wenig Dunkelheit in sich. Als er sich von dem Schlag erholte, lernte er mit dieser Dunkelheit umzugehen und sie für sich zu nutzen. Heute ist er unter den Sidhe als der Königin Finsternis bekannt. Elrohir lächelte leicht bei diesem Gedanken. Seine Kinder hatten mehr Finsternis in sich als dieser Nachkomme einer Hündin.

Elrohir fing an die Dunkelheit zu rufen. Er legte sie wie ein Tuch über dieses Anwesen. Ganz vorsichtig, wie ein Netz bewegt sich die Dunkelheit auf den See zu. Die Geräusche der Nacht verstummten nicht, sondern wurden einfach verschluckt.

Artanis merkte erst gar nicht die Veränderung, die geschah. Doch als sich Dunkelheit am Rand des Sees sammelte, wusste sie, dass etwas ernsthaft nicht stimmte. Sie suchte den Garten ab, doch konnte kaum etwas erkennen. Alle Lichter der Nacht waren verschwunden. Ihr Herz fing an schneller zu schlagen. Instinktiv wich sie immer weiter in die Mitte des Sees, um der Dunkelheit zu entkommen. Und dann sah sie die Gestalten am Ufer. Es waren die Augen, die sie zu erst wahrnahm. Kleine bläuliche Lichter. Sofort war ihr klar, dass sie in Schwierigkeiten war. Sie versuchte zu schreien, doch es war nichts zu hören. Der Schrei verschwand einfach in der Dunkelheit. Auch ein telepathischer Hilferuf versagte. Ihr Herz schlug nun hörbar. Diese Augen sah sie zum letzen Mal im letzen Krieg gegen den untoten Hof. Artanis hätte nicht gedacht, dass diese Kreaturen es wagen würden hier zu erscheinen. Nie hat es jemand gewagt in den Hof einzudringen. Sogar die neugierigen Menschen hielten sich instinktiv fern. War die Macht der Unseelie mittlerweile so sehr geschwächt, dass die Feinde es wagten hier einzufallen? Artanis versuchte eigene Magie zu beschwören. Doch die Dunkelheit saugte diese sofort gierig in sich auf, so dass sie diese nicht nutzen konnte. Um die Vampire nicht noch zu stärken gab sie diesen Versuch auf.

Ja, die Dunkelheit hat sie eingeschlossen. Elrohir nutzte die Dunkelheit wie eine Hand und zog Artanis zu sich ans Ufer. So gefesselt stand sie vor ihm. Artanis konnte es kaum glauben. Elrohir Calafalas persönlich schaute ihr in die Augen. Trotz der Furcht zwang sie sich zur Ruhe. „Was soll das?“ fragte sie ein wenig hysterischer, als sie wollte. „Wer hat Euch hier her eingeladen?“
Elrohir bewunderte ihren Mut, konnte aber ihre Angst wie jeder Jäger wahrnehmen. Und etwas war da noch, das Blut, das durch Ihren Körper floss. Jeden ihrer Herzschläge konnte er fühlen. Trotzdem er nur noch selten trinken musste, bekam er ein unglaubliches Verlangen nach ihrem Blut. Er zwang sich, seine Aufmerksamkeit wieder auf Artanis zu lenken. Diese schaute ihn aufmerksam an. „Artanis Ar-Feiniel, auch ich freue mich Euch zu sehen.“ „Was soll das? Bin ich so eine Art Nachtmahl für Euch? Ihr schaut mich an, als wäre ich ein Snack für Euch.“ Elrohir funkelte sie wütend an und entblößte dabei seine Zähne. Er hasste es, die Kontrolle zu verlieren und gerade hat er sie an einen kurzen Traum verloren. Aber ein wenig von ihr zu kosten war schon verlockend. Er ließ den Gedanken fallen und schlug stattdessen mit mentaler Kraft gegen ihren Geist. Artanis sank in sich zusammen. Gestützt von der Dunkelheit stand sie bewusstlos im Kreise der Vampire. Ein etwas kräftig aussehender legte sie sich über die Schulter. Und folgte den anderen in Richtung Mauer. Diese war trotz des zusätzlichen Gewichtes kein Hindernis für ihn. Auf der anderen Seite warteten ihre Pferde auf sie. Elrohir nahm Artanis vor sich auf sein Pferd. Ihre Hände fesselte er mit einem Seil, auf dem ein Bann lag, an den Sattel. Dies sollte verhindern, dass sie nebenbei Magie rufen kann. Die Hände sind dafür zwar nicht notwendig, doch hilft es ein wenig sich zu konzentrieren. Elrohir war sich sicher, dass seine Gefangene in dieser Situation es etwas schwer hatte ihre Magie zu beschwören. Ein Blick zum Himmel bestätigte ihm, was er sowieso schon instinktiv wusste, sie hatten nur noch wenig Zeit bis zu ihrer Unterkunft. Stumm ritt er los. Gefolgt von seinen Gefährten jagte er durch die Nacht. Kilometer um Kilometer legten die Pferde zurück, ohne ein sichtbares Anzeichen der Erschöpfung. Genau wie ihre Reiter waren diese Pferde weder tot noch lebendig. Und genau wie die Reiter mussten auch die Pferde bei Tageslicht verborgen werden. Elrohirs Pferd Séregon begleitete ihn nun schon seit 2000 Jahren. Es ist ein treuer Freund geworden. Séregon kennt die Strecke genau, denn er kennt die Gedanken seines Freundes.

Eine Stunde vor Sonnenaufgang erreichten sie das Versteck. Eine Höhle in den Bergen. Unauffällig, und doch groß genug, um allen Schutz zu geben. Es blieb nur noch wenig Zeit. Nach einer kurzen Besprechung suchte sich jeder bis auf Elrohir ein Platz zum schlafen. Elrohir hatte vor wach zu bleiben und die Gefangene zu bewachen. Er setzte sich ihr gegenüber und schaute sie an. In all seinen Jahren in dieser Welt war er nie jemanden wie ihr begegnet. Nie hatte er das Gefühl gehabt, dass ihm was fehlen könnte, doch nun nagte etwas an ihm. Natürlich hatte er Nachkommen. Doch diese waren politisch motiviert gewesen, oder zufällig entstanden, doch nach so vielen Menschenleben fing nun die Einsamkeit an, an ihm zu nagen. Artanis Blut verströmte einen Duft, der im drohte den Verstand zu vernebeln. Sie war noch immer nackt. Elrohir überlegt, ob er seinen Mantel über sie legen solle. Doch dies könnte als Schwäche ausgelegt werden. Und dies konnte er sich nicht erlauben. Am Hofe der untoten Sidhe gab es Regeln, die man besser beachtete.

Artanis war schon eine Weile wach, doch sie rührte sich nicht. Am Anfang versuchte sie noch Magie aus der Erde zu beschwören, doch sie war einfach zu weit von zu Haus entfernt und die Fesseln schienen mit einer Art Bann belegt zu sein, der das Beschwören noch erschwerte. Nach einiger Zeit hatte sie es geschafft ein wenig Magie in Ihren Händen zu versammeln. Doch wusste sie nicht, was sie damit anstellen konnte. Für einen Befreiungsversuch, oder einen Angriff war dies zu wenig. Also überlegte sie sich einen anderen Plan. Wenn sie es schaffte, dass ein Untoter sie losband, dann konnte sie auch versuchen, es mit ihm aufzunehmen, oder einfach in den Tag hinaus rennen und ihm so entkommen. Sie ließ ihre mentalen Sinne durch die Höhle streifen, ganz vorsichtig näherte sie sich jedem Vampir und prüfte wie fest sie schliefen. Mit Erschrecken stellte sie fest, dass sie keinerlei Leben in sich hatten. Stimmte es also, dass Vampire tagsüber tot sind? Sie würde später darüber nachdenken. Plötzlich prallten ihre Sinne gegen eine mentale Schutzbarriere. Ein wacher Vampir? Sie sog ihre Sinne ein wenig zurück. Nachdem nichts geschah, wagte sie noch einen Vorstoß. Behutsam tastete sie den Schild ab, in der Hoffnung einen Durchgang zu finden. Und sie fand einen. Erschrocken stellte sie fest, dass es Elrohir war, den sie dort entdeckt hat. Noch nie war sie einer derart starten Präsenz begegnet. Die Dunkelheit in und um ihn herum machte ihr Angst. Doch war sie auch neugierig. Nachdem sie einen Zugang zu seinen Gedanken gefunden hatte, stellte sie überrascht fest, dass seine Gedanken sich um sie drehten. Artanis wusste nicht, ob das nun ein Kompliment war oder nicht. Sie entschied sich für das Kompliment und machte sich gleich darauf einen Vorwurf deswegen. Dieser Mann hatte es gewagt sie zu entführen! Und doch erinnerte sie sich an die Begegnung am See. Das Dunkel an ihm gefiel ihr, auch wenn sie es lieber nicht zugeben würde. Es gab Sidhe am Unseeliehof, die etwas Dunkles an sich hatten, doch keinem stand es so gut wie Elrohir. Es gab da noch die Finsternis der Königin, doch zu auf ihn zu hoffen, war vergeblich. Andais, die Königin von Luft und Finsternis, hat ihrer Leibwache das Zölibat aufgezwungen. Wenn sie ihre Raben, so wurde die Leibwache der Königin genannt, nicht haben durfte, dann sollte sie auch kein anderer haben und besonders keine andere Frau.

Elrohirs Gedanken drehten sich mittlerweile nur noch um diese Frau. Sein Hunger wuchs immer mehr. Artanis genoss die Aufmerksamkeit. Ihr Herz schlug ein wenig schneller. Sie versuchte sich zur Vernunft zu bringen, doch es klappte nicht. Irgendwas an diesem Vampir zog sie an. Und dann wusste sie, wie sie loskommen würde. Mit dem bisschen Magie, verstärkte sie Ihren Duft und ließ ihre Haut ein wenig schimmern. Erfreut stellte sie fest, dass ihr Entführer fast sofort reagierte. Er wollte sie berühren, wollte mit seinen Fingern über ihre Haut fahren. Sie verstärkte seinen Wunsch mit dem Rest Magie. Er stand auf, und ließ sich bei ihr nieder. Er hatte noch immer nicht mitbekommen, dass sie schon wach war. Sie fühlte sein Atem auf ihrer Haut. Untote atmen doch? Ein Kribbeln überzog ihren Nacken. Artanis hoffte, dass er dies nicht mitbekam. Zum Glück wurde ein großer Teil ihres Körpers von ihren Haaren bedeckt. Artanis stellte fest, dass sie die Berührung herbei sehnte. Sie war Opfer ihres eigenen Spiels geworden. Endlich fühlte sie seine Berührung. Unendlich sanft fuhr er die Linen auf ihrem Rücken entlang. Dann plötzlich fühlte sie einen Schmerz und danach wie ihr warmes Blut den Rücken entlang lief. Elrohir war ganz versunken, gefangen in der kleinen Verzauberung. Er merkte nicht, wie sich der Körper von Artanis gegen seine Hand presste. Stattdessen blickte er auf die blauen Linen unter ihrer Haut. Er hatte mit seinen Zähnen eine diese Adern geöffnet, nur um ein wenig zu kosten. Noch nie hatte er von einer lebenden Sidhe getrunken. Der Geschmack war einmalig. So voller Leben, dass er von einem Schluck fast trunken wurde. Tausende Liter Blut von Menschen konnten nicht das fühlen lassen, was er hier in wenigen Tropfen fand.

Artanis drehte sich um. Und sah ihren Entführer in die Augen. Diese waren schwarz mit einem silbernen Rand. Innen war wieder dieses blaue Leuchten zu sehen. Sie wusste, sie war ihm verfallen. Sie wollte ihn und gab sich ihm hin.

Elrohir schaute nun in ihr Gesicht. Sie schien dasselbe Verlangen zu spüren wie er. Wie konnte dies nur passieren? Er nahm sich vor dies später zu ergründen, derzeit war er einfach nicht in der Lage dazu. Er beugte sich zu ihr hinab und gab ihr einen Kuss auf die Lippen. Sie erwiderte den Kuss. Etwas unsicher zog er sich etwas von ihr zurück. Doch sie folgte ihm und presste ihre Lippen auf seinen Mund. Mit der Zungenspitze fuhr sie sanft über seine Lippen und er ließ sie ein. Elrohir konnte sich nicht mehr zurückhalten. Er legte Ihren Kopf zurück auf den Boden und erwiderte leidenschaftlich ihren Kuss. Dabei vergaß er ganz, dass sie eine lebende Sidhe war. Seine spitzen Zähne ritzen ihre Lippen und die Zunge, und er trank das Blut. Gefangen in dem Gefühl aus Lust und Schmerz biss Artanis in die Lippe von Elrohir. Mehrere Tropen seines schweren Blutes ergossen sich in ihren Mund. Zu spät bemerkte dies Elrohir. Verständnislos starrte er sie an. Seine Augen vor Schrecken geweitet. Wusste diese Sidhe nicht, was sie tat? Für einen Menschen bedeutet der Bluttausch mit einem Vampir, dass er auch zu einem wird. Doch für eine lebende Sidhe war es das Ende. Das ewig Untote und das ewig Lebende können nie in einem Körper zugleich existieren.

Artanis sah den Schrecken in den Augen von Elrohir. Sie versuchte zu verstehen. Plötzlich fing ihr Körper an zu schmerzen. Wie ein Feuer breitete sich der Schmerz in ihrem Inneren aus. Sie fühlte, wie ihre eigene Magie ihren Körper verließ. Sie wusste nicht was geschah. Elrohir versuchte ihr etwas zu sagen, doch sie hörte ihn nicht. Ihr ganzes Inneres hatte sich in ein Rauschen verwandelt. Dann fühlte sie, wie sie sich auflöste, sie fühlte es nicht nur, sondern sah es auch. Kleine Lichtpunke, die zum Licht schwebten. Nun wusste sie was passiert war. Ihr Körper kann nicht im Zustand weder untot noch lebendig existieren, daher löste sie sich einfach auf. Bevor sie sich auflöste sah sie noch die rote Träne auf dem Gesicht von Elrohir und sie sah, dass auch er sich auflöste. Ihr Blut in ihm hatte dieselbe Wirkung wie seines in ihr. Nur ihres schenkt eigentlich Leben.

01.Februar 2007

(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea | blue-matrix

Dunkelheit

Er war gerade auf dem nach Haus. Die Lichter der Laternen tauchen die Strasse in ein Zwielicht, so dass die Schatten noch viel dunkler wirken. Sein Blick konnte die Dunkelheit nicht durchdringen. Wie immer hatte er auch heute ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Seit seiner Kindheit ist ihm die Nacht ein Gräuel. In jener Nacht, tief in seiner Vergangenheit, verschwand sein Bruder. Doch wie dies geschah wusste er nicht. Seine Eltern, die Polizei und verschiedene Ärzte hatten Monatelang versucht das Verschwinden seines Bruders zu klären.

Die Brüder waren gerade auf dem Rückweg von ihren Großeltern, die nur eine Querstraße entfernt wohnten. In der Strasse, die ähnlich aussah wie diese musste es dann passiert sein. Alles ging furchtbar schnell. Eben noch scherzen die beiden herum und im nächsten Moment war Jerry allein in der Dunkelheit. Verwirrt fing der damals 8 Jährige an zu weinen. Nur ein Handschuh wurde gefunden. Keine Spuren, nichts. Jerry hatte damals aufgehört zu reden, was die Trauer der Eltern noch verstärkte. Nichts half. Sie verreisten damals viel. Versuchten verschiedene Therapien, erfüllten ihm seine Wünsche, die er bis zu diesem Tage gestellt hatte. Doch es half alles nichts. Damals war seine Angst vor der Dunkelheit so groß, dass er sobald es Dunkel wurde in Panik verfiel. Schafften es die Eltern nicht, rechtzeitig mit ihm nach Haus zu kommen, verfiel er in eine Art Starre. Mit den Jahren wurde die Situation im Hause der Familie immer schwieriger. Die Eltern liebten ihren Sohn über alles, doch konnten sie die Situation nicht mehr ertragen. Besonders der Vater kam damit nicht mehr klar.

Doch eines Tages änderte sich alles. Jerrys erstes Wort war:“Kino“. Die Eltern waren nicht sicher, ob das Kino die richtige Umgebung für Jerry sei, weil es dort ja dunkel ist, doch wollten sie ihn ihn nicht enttäuschen. Immerhin war dies das erste Wort seit 5 Jahren. Sogar genau seit 5 Jahren. Die Eltern waren ratlos. Schmerz und Freude machten die Entscheidung nicht gerade einfach. Da es Winter ist, konnten sie auch nicht in ein Autokino. Während die sich beratschlagten blickte Jerry die beiden unverwandt an. Und in seinen Augen konnten die Eltern die Bitte ganz deutlich lesen. Unter Versprechungen ihn sofort nach Haus zu bringen, sobald er Angst hätte wagten sie einen Versuch. Für Jerry war es der schwerste Tag seines Lebens. 5 Jahre sind verflossen und er hat sie verpasst. Nach dieser langen Zeit hatte sich sein Bewusstsein wieder an die Oberfläche gekämpft. Und nun hatte er den Wunsch wieder zu leben. Jerry zitterte während sie sich auf dem Weg zum Kino machten. Er wusste, dort würde es dunkel sein. Die Eltern waren zwar noch immer gespalten, doch freuten sie sich über das „Erwachen“ ihres Sohnes. Ja, der Tag war hart. Jerry erinnert sich noch genau an diesen Tag. Er schafft es bin zu Hälfte des Filmes. Dann gingen sie nach Haus. Die Eltern waren überglücklich. Von diesem Tage an wurde es jeden Tag ein wenig leichter wieder am Leben teilzunehmen. Bald ging er wieder zur Schule. Und er lernte schnell. Nie würde er die anderen in seinem Alter einholen, doch dies störte weder ihn noch seine Eltern. Sie wussten, was er leistete. Tag für Tag. Klar die Polizei meldete sich bald, doch sein Gedächtnis blieb leer.

Heute ist Jerry 23. Die Nacht ist 15 Jahre her. Und gerade heute schaffte er es nicht diese Strasse entlang zu gehen. Sein Kopf verweigerte ihm einfach die Kontrolle über seine Beine wider zugewinnen. Mit Erschrecken nahm er seine Umgebung war. Es war jene Strasse. Jene Strasse, die ihm seinen Bruder und 5 Jahre seines Lebens nahm. Angstschweiß stand ihm auf der Stirn. Sein Körper fing an zu zittern. Er fror und schwitzte zu gleich. Seine Hände krallten sich an die Laterne. Seine Beine knickten ein. Jerry landete hart auf seinen Knien. Den Schmerz nahm er nicht war. In Jerrys Kopf fing alles an zu drehen. Seine Augen waren völlig überanstrengt. Und dann sah er den Schatten. Innerhalb der Dunkelheit bewegte sich ein Schatten. Außerhalb des Lichtkegels verdichtete sich die Dunkelheit. Der Schatten schluckte alles Licht. Er wartete. Und Jerry erinnerte sich.

Denny sah es damals als erstes. Das schwarze Wesen, das in der Dunkelheit lauerte. Gerade als Denny den Lichtkegel der Straßenlaterne verließ wurde er von dem Wesen verschlungen. Und obwohl es aussah, als bestünde es nur aus Schatten, hörte er doch wie sein Bruder unter unglaublichen Schmerzen schrie. Die Schreie drangen zwar nur gedämpft zu Jerry, doch war die Verzweiflung und der Schmerz nicht zu überhören. Und gerade als Jerry dachte nun könne es nicht mehr schlimmer werden, hörte er das Geräusch von zerberstenden Knochen. Und dann Dunkelheit. Jerrys Kopf hatte entschieden nichts mehr wahrzunehmen.

Nun kniete Jerry in seinem Lichtkegel und erinnerte sich an alles was damals geschah. Sein Mund öffnete sich zu einem Schrei. Doch der wurde nie ausgestoßen. Die Dunkelheit ließ die Lampe erlöschen und nahm Denny in sich auf. Die Bäume waren die einzigen Zeugen der Grausamkeit die dort geschah.

(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea / blue-matrix

Ungeheuer

Eine Träne lief ihm rot über die Wange. Hinterließ eine warme Spur in seinem Gesicht. Seine Peiniger beobachteten dies fasziniert. Hatten sie doch bisher so ein Wesen nie gesehen.

Die gesamt Nacht probierten sie alles an ihm aus, was sie über diese Wesen in Erfahrung bringen konnten. Einiges konnten sie ins Reich der Fantasie verbannen. So zum Beispiel das fehlende Spiegelbild. Wie sollte dies auch bei einem Wesen fehlen, welches sichtbar ist. Ein Kreuz konnte dem Wesen auch keine Reaktion entlocken zu können. Erst als sie das Kreuz zum glühen brachten und es dem Wesen auf die Stirn drückten reagierte es. Doch dies schien den jungen Männern also Reaktion zu wenig zu sein. So erhitzen sie die Ketten, mit dem sie das Wesen an die Wand gefesselt hatten, in dem sie Kerzen darunter stellten. Die ließ die Ketten zwar nicht glühen, doch dem Wesen schien es nach einer Weile doch Schmerzen zu bereiten. Gern hätten sie auch Silber getestet, doch konnten sie nichts von diesem Metall auftreiben. Was stimmt, war die schnelle Wundheilung. Seit fast drei Stunden beobachteten sie fasziniert wie sich die Wunden verschlossen und fast nichts mehr davon zu sehen war. Die ersten Experimente in diese Richtung ließen sich schon gar nicht mehr nachweisen.
Sie konnten sehen, wie die durchtrennten Muskeln und Knochen wieder zusammenwuchsen, wie entfernte Haut wieder Nachwuchs. Das letzte Experiment war das bisher grausamste. Sie hatten einen Holzpflock angespitzt und die Spitze in einem Feuer erhitzt. Dann hatten sie diesen Pflock dem Wesen durch das Herz getrieben. Hilflos hatte das Wesen mit ansehen müssen, wie die Männer voller Neugier diese Tat begingen. Gespannt blickten sie dem Wesen ins Gesicht. Gierig nach jeder Regung, die es von sich gab. Auch jetzt gab es keinen Ton von sich. Es weinte lautlos. Wenn die Männer besser hingesehen hätten, wäre ihnen auch ein wenig Mitleid aufgefallen. Doch dies übersahen sie. Ganz in der Faszination versunken, dass sie ein solches Wesen fangen konnten versunken, würdigten sie nicht einen Moment das außergewöhnliche daran. Überhaupt waren all jene Wesen, die sie bisher zur „Untersuchung“ bekamen für sie nur abartig, nicht menschlich, Ungeheuer. Ob es nun Elfen, Kobolde oder Hexen waren, wenn sie bei der „Untersuchung“ nicht verstarben wurden sie danach verbrannt, was allerdings selten war. Das letzte Mal erlitt ein Troll dieses Schicksal. Sie hatten aufgehört zu zählen, wie viel Wesen sie mittlerweile für die Kirche untersuchten. Für jeden Bericht, der Rom erreichte erhielten sie eine Menge Gold und nur die zählte für sie.
Das Wesen heute hatten sie durch Zufall entdeckt. Die leuchtende Haut hatte es verraten. Es hatte sich versucht in einer Gasse zu verstecken. Doch die Männer fanden es. Gemeinsam schlugen sie auf das Wesen ein, bis es bewusstlos war. Dies ist nun einige Stunden her. Die Träne erreichte gerade das Kinn, als das Wesen starb. Der Pflock hatte das Herz durchbohrt und die Spitze kam am Rücken wieder heraus. Es stimmte also, man kann sie mit einem Stoß durch das Herz töten.

Gerade ging am Horizont die Sonne auf. Die Männer hatten noch ein Experiment, zudem sie die Sonne unbedingt brauchen. Gemeinsam trugen sie das Wesen nach draußen auf den Hof und legten es in die Mitte. Gerade als sie es ablegten, glitten die ersten Sonnenstrahlen über die hohe Mauer, die diesen Ort des Schreckens umgab. Schnell entfernten sie sich von dem Wesen. Als die Strahlen das Wesen erreichten, ging es nicht wie erwartet in Flammen auf, sondern fing an zu leuchten, so stark, dass die Männer schützend ihre Hände vor die Augen nahmen. Es dauerte einige Zeit, bis sie relativ gut sehen konnten was da passierte. Das Wesen verbrannte nicht. Der gesamte Körper erstrahlte in einem goldenen Licht. Das Gesicht nahm einen friedlichen fast glücklichen Ausdruck an. Das Wesen sah so wunderschön aus, dass die Männer Tränen in den Augen hatten. Der ganze Anblick wurde zerstört, von dem blutenden Loch an der Stelle. An der der Pflock das Herz durchbohrte. Im Licht der Sonne wuchsen dem Wesen Flügel aus Licht, die sich an seinen Rücken schmiegten.
Erst jetzt wurde den Männern klar, was sie dort getötet hatten. Es war kein Vampir, sondern ein Engel.

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Allein in die Ewigkeit

Wieder einmal erwachte Nik aus seinem Schlaf. Wie jeden Abend kämpfte er gegen die neue Wirklichkeit an. Warum sollte er auch daran glauben? Vampire?

So weit sich Nik erinnern kann, hat er den Wunsch sein Leben zu beenden. Doch dies auch umzusetzen hat er sich nie getraut. Bis zu jenem Abend im Juli. Dieser begann eigentlich ganz ok. Wie immer kaufte sich Nik ein Bier am Imbiss an der Ecke. Versunken im Gedanken stieß er dabei auf eine Freundin aus anderen Zeiten. Damals ging er noch in die Clubs der Stadt. Spielte den Lebensfrohen, der jeden Tag etwas Neues erleben möchte. Es sind schmerzvolle Erinnerungen. Eine Zeit der Selbstverleugnung.
Angel gehörte in diese Zeit hinein. Hat sie eigentlich einen richtigen Namen? Zwar hat Nik keine direkten schmerzenden Erinnerungen an oder mit Angel, sie ist vielmehr ein Auslöser. Unbewusst starrte Nik auf seinen Unterarm. Er ist zwar verdeckt vom Hemd, doch weiß er genau, das dort die Buchstaben F E H L E R als Narben in den Arm gebannt sind. Auch ein Relikt aus dieser Zeit. „Fehler“ genau das richtige Wort für seine Existenz. Wo immer ihn das Leben hin verschlagen hatte, immer war er Fehl am Platz, machte grundsätzlich alles Falsch. Also ein wandelnder Fehler. Irgendwann hatte er sich dann mit einer halbstumpfen Klinge diese sechs Buchstaben in den Arm geschnitten. Hat es damals wehgetan? Sicher nicht so sehr wie es unausgesprochen zu lassen.

Angel sah ihn mit großen dunklen Augen an. Der Nachthimmel schien sich darin zu spiegeln. Waren dies die Augen von Angel? „Hallo Angel“ Die Worte kamen nicht in der gewollten Gelassenheit über seine Lippen. Angel reagierte nicht. Nur langsam schien sie Ihn zu erkennen. Die Augen weiteten sich noch mehr. War das überhaupt noch möglich? “ Angel, alles in Ordnung?“ „Klar – alles bestens.“ erwiderte sie langsam. Offensichtlich war sie verwirrt. „Nik? Du bist es doch oder?“ ein wenig Hoffnung lag in diesen Worten. „Klar bin ich es, aber was machst du hier? Bist du nicht ausgewandert?“ „Ich? Ja klar,.. aber dann, nun ja … es war alles nicht so wie gedacht, ich bin dann, mir blieb ja nichts anderes, ich bin halt zurück. Nur hätte ich gewusst, dass … nun ja … das dies eben passierte,… ich denk ich wäre nicht hier her gekommen.“ Ihre Augen starrten ihn an. Nik verstand gar nichts. „Passiert? Was is passiert?“ Für ein Wiedersehen nach Jahren verlief das Gespräch nicht ganz wie erwartet. Aber wenigstens war es kein Schweigen. „Nik? Gehst du noch immer nicht weg? Ich meine, ich habe erfahren, dass du dich nicht mehr sehen lässt und dies schon seit langer Zeit.“ Nik war ein wenig überrascht. Er mochte es gar nicht, wenn man ihn so unerwartet konfrontierte. „Ich habe viel zu tun und die Clubs hier sind öde geworden, jeder denkt an seine eigene Zukunft, hat kaum Zeit für andere…“ Nik war verlegen. „He, es ist ok. Du musst dich nicht vor mir rechtfertigen. Du warst schon immer so, nur damals konntest du dich halt noch dagegenstellen.“ Ein Satz, der sich wie ein Stich im Herzen von Nik anfühlte. Da kommt sie daher, scheint völlig neben sich zu stehen und dann macht sie noch Aussagen, die er gern nur mich sich allein teilt. „Was habe ich verpasst?“ Nik versuchte abzulenken, diese Unterhaltung nahm für ihn keinen guten Verlauf an. Zeit zu wenden. „Was passiert, das du wie ein Geist durch die Stadt läufst?“ “ Ich will gerade in einen Club“ „In welchen?“ Schmerzen in ihren Augen? „Egal in welchen. Hauptsache viele Menschen. Ein wenig anonyme Nähe wollte ich. Doch es wäre mir lieber mir dir meine Zeit zu verbringen.“ Ihre Augen schauten ihn hoffnungsvoll an. Ihre Augen, es schien ihm, als würde er in zwei Ozeane der Verzweiflung schauen. Beide unendlich tief und doch konnte man in ihnen einen mitternachtsblauen Schimmer sehen. Gerade wollt er sich dies noch einmal ansehen, da war es auch schon wieder weg. Nur die Schmerzen sind geblieben. „Ich begleite dich gern. Wenn du magst, kannst du mir ja erzählen, was dir so widerfahren ist in den letzten Jahren.“ Sie schaute ihn an, als hätte er versucht sie zu schlagen. Doch schnell verflog dieser Ausdruck von ihrem Gesicht. Genauso schnell wie der Schimmer aus ihren Augen. Sie entschieden sich zu laufen. Der Weg ist zwar nicht weit, doch nahmen sie sich jeder noch zwei Bier für den Weg und eine Flasche roten Wein wegen der alten Zeiten mit. Nik fing an zu erzählen. Es war nicht viel, was er erzählen konnte, doch war es viel, was erst einmal verarbeitet werden musste. Er wusste nicht warum, aber alles sprudelte einfach aus ihm heraus. Keine Grenzen, kein beschönigen – einfach die Wahrheit.
Als er endete sah Angel ihm tief in die Augen und fragte nach einer Weile, ob er dies alles nicht schon früher mitbekommen hätte. Verständnislos starrte Nik sie an. „Was ich sagen will,…“ sie schaute ihn ein wenig hilflos an.“…ich meine, mir war es schon immer klar, dass es dir in Gesellschaft nicht gut ging. Dein Arm war einfach viel zu oft in Verband gehüllt, selbst bei größter Hitze hattest du lange Hemden an. Was ich sagen möchte: wer es nicht mitbekam ist selbst blind gewesen.“ Er konnte ihr nicht mehr in die Augen sehen, versuchte unbeteiligt in der Gegend herum zu schauen. Seine Arme hatte er in die viel zu langen Ärmel seines Mantels zurückgezogen. Ja er liebte diesen Mantel gerade deswegen. Aber in Moment war Nik viel zu betroffen, als das er dieses behagliche Gefühl genießen könnte. Er hatte überhaupt keine Lust mehr in den Club zu gehen. Es war mir jetzt schon alles zu viel. Plötzlich hielt Angel ihn leicht am Arm fest und blieb stehen. Vorsichtig aber bestimmt zog sie Nik zu sich heran. Er versuchte ihren Blick auszuweichen, er wollte nicht das Wissen, Verstehen oder schlimmer das Mitleid darin sehen. Und doch schaute er in ihre Augen. Der blaue Schimmer war wieder zurückgekehrt. Tief blau und unergründlich. Nik hatte das Gefühl von ihnen aufgesogen zu werden. Von Angel ging eine Wärme aus, die ihn erfasste, umschlang und völlig einwickelte. Mit einem mal war nichts mehr da, kein Mensch, Auto, die Insekten waren verstummt, der Boden und der nächtliche Himmel, einfach alles war weg. Nur noch die Wärme, Angel, ihre Augen und Nik. Er schloss seine Augen, genoss diese Ruhe, diesen Frieden, der sich in ihm endlich nach all den Jahren ausbreitete. Seine Gedanken kamen zur Ruhe, wirbelten nicht mehr durcheinander.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren konnte Nik sich fallen lassen. Er spürte wie etwas seine Lippen streifte, sie berührte, liebkoste. Langsam kam er wieder an die Oberfläche seines Bewusstseins. Er öffnete seine Augen. Noch immer wusste er weder was gerade geschah, noch gerade geschieht. Angel hatte ihn in die Arme genommen und sich an ihn geschmiegt. Mit der Spitze ihrer Zunge fuhr sie zärtlich die Konturen seiner Lippen nach. Seine Lippen öffneten sich ihr, als hätte sie so um Einlass gebeten. Ihrer Zungen berührten sich, erst ein wenig zögernd, doch dann immer fordernder. Sie presste ihn immer doller an sich, als ob sie Angst hat, ihn wieder los lassen zu müssen. Nik genoss es gehalten zu werden. Es war lang her, dass er umarmt wurde. Angel strahlte immer mehr Wärme aus. Ihr Herz schlug so doll, dass Nik dies fühlen konnte. Als sich ihre Lippen wieder von einander lösten, stöhnte sie leicht. In ihren Augen lag Freude und Glück. Auch Nik ging es viel besser. Ihre Hände fanden sie fast von allein. Mit einem Lächeln auf den Lippen gingen sie weiter. Im Club angekommen holten sie sich Getränke und suchten sie eine gemütliche Ecke und hofften ein wenig allein sein zu können. Die gesamte Nacht verbrachten sie versunken in Erinnerungen an die „Gute alte Zeit“. Wenn die Erinnerungen zu schmerzhaft wurden küssten sie sich. Auf diese Weise wurden die Berührungen immer intimer. Gegen Morgen wurden sogar einige tanzbare Titel gespielt. Sie verließen nur ungern die Tanzfläche. Aber der Morgen stand bevor und sie waren müde. Zumindest Nik war länger geblieben als er wollte.

Nik bot Angel an, mit zu ihm zu kommen. Beide könnten sich ausschlafen und gemeinsam den Tag verbringen. Angel stimmte freudig zu. Zu Haus angekommen ging Nik unter die Dusche, denn nichts fand er schlimmer, als nach Zigaretten und Alkohol stinkend ins Bett zu gehen. Er war gerade dabei sich mit dem Duschgel einzureiben, als Angel dazu kam. Nik verschlug es den Atem. Angel sah nicht mehr im Geringsten so heruntergekommen aus wie am Abend. Ihr Körper schien sich erholt zu haben. Die Augen glänzten ihn an. Ihre Blicke verschlangen ihn, wollten ihn gar nicht mehr loslassen. Angel schmiegte sich an Niks Körper, als versuche sie mit jeden möglichen Zentimeter ihrer Haut ihn zu berühren. Ihre Haut war warm, strahlte eine Hitze aus, die ihn wieder umhüllte. Nik konnte nicht anders, er wollte diese Frau haben. Sanft fing er an sie zu streicheln. Seine Hände fuhren die Linien Ihres Körpers nach. Sie schien sich gegen seine Berührung zu pressen, als wolle sie ihm zeigen, dass er sie fester streichen solle. Seine Fingernägel gruben sich in ihre weiche Haut und hinterließen rote Lienen. Ihr Atem ging schneller. Sie drehte sich um, so dass ihr Rücken sich gegen seine Brust lehnte. Er zog sie mit seinen Armen weiter an sich heran. Sein Kopf beugte sich zu ihr und suchte ihre Lippen. Sie trafen sich zu einem Kuss, der sie beide nur weiter in ihrer Lust trieb. Sie drehte sich zu ihm um, nahm seine Hand und zog ihm zu seinem Bett. Keine Worte, nur Gefühle und Lust. Sie liebten sich bis zum Morgengrauen. Erschöpft und ausgelaugt schliefen sie eng umschlungen ein.
Es war bereits Abend, als sie beide wieder erwachten. Bevor sie das Bett verließen, erkundeten sie ihre Körper gegenseitig mit den Händen, ganz sanft, fast als würden sie sich nicht berühren wollen fuhren sie über ihre Körper. Nach vielen Küssen schafften sie es dann doch noch sich aus dem Bett zu erheben. Kaffee und Toast schafften es eine Atmosphäre von späten Frühstück zu vermitteln. Später ging Nik noch schnell einkaufen. Angel blieb allein zurück. Sie sagte Nik, dass sie sich erschöpft fühle und nicht nach draußen gehen wolle. Er war damit zufrieden, so würde er schneller wieder da sein.

Als Nik wieder zu Haus ankam, fand er Angel im Bad unter der Dusche, sie saß auf dem Boden. Eine Rasierklinge in der Hand, und Schnitte im Arm. Der Boden war voll mit Blut. Nik konnte einiges verkraften, er tat sich ja dasselbe an, doch sie dort so zu sehen, damit kam er nicht klar. Er ging einen Schritt rückwärts und stieß gegen die Wand. Er glitt an ihr zu Boden und blieb dort sitzen. Völlig gebannt blickte er auf Angel. Er fühlte sich hilflos und doch von der Szene angezogen. Langsam kamen seien Gedanken wieder. Traurigkeit erfüllte seine Stimme, als er anfing Angel von seinem Leben zu erzählen, von seinen Schmerzen, die er in diesem Bad schon erlebt hat. Er erzählte ihr von seiner Einsamkeit, von seinem Drang sich mit Schmerzen in der Welt halten zu müssen. Von seiner Angst, die ihn erfüllt wenn er sich nicht fühlen kann. Angel reagierte erst nicht, doch je mehr er erzählte, je mehr Schmerz Nik erfüllt, desto interessierter hörte sie sie zu. Später meinte Nik, dass sie immer besser aussah, je schlimmer die Erinnerungen an ihn nagten. Sie kroch auf ihn zu und nahm ihn in die Arme. Ihre Lippen versiegelten seinen Mund. Sagt sie wirklich er zähl mir später mehr? Nik schob diesen Gedanken bei Seite. Ihre Berührungen taten ihm gut. Langsam zu sie Ihn aus, ihre Lippen sammelten seine Tränen auf. Seine Tränen auf Ihren Lippen – Nik verzehrte sich danach dies zu kosten. Beides so kostbar. Wie konnte dies nur so schnell geschehen? Den Rest der Nacht verbrachten sie im Bett und liebten sich. Sie bekamen einfach nicht genug von dem anderem. Angel blühte weiter auf. Am Abend zu vor war sie nur ein Schatten von dem gewesen, was sie nun war. Nik konnte ihr nicht oft genug sagen, wie sehr er sie verehre, wie schön sie sei und dass er sie nie wieder gehen lassen würde. Er fühlte sich wie ein glücklicher Süchtiger. Angel dagegen genoss dies sehr. hatte sie doch schon lang nicht mehr so viel Bewunderung genossen. Und das beste – das besondere konnte Ihr Nik auch noch bieten und er wusste nicht einmal das er ihr gab was sie am meisten brauchte. Er hatte genug Schmerz in sich, dass sie nur von ihm leben konnte. Seelenschmerz, ja das ist es was sie braucht.

Nik und Angel verbrachten die nächsten Wochen miteinander. Er ging nicht mehr arbeite, ging noch weniger weg. Aber es schien niemand zu merken. So nahm auch niemand war, das es Nik äußerlich immer schlechter ging. Er wurde immer dünner, war hin und wieder desorientiert, er vergaß die Zeit. Er war süchtig nach Angel. Wenn es ihr gut ging, war auch er glücklich. Fast jeden Tag sprachen sie über Nik,seine Trauer und seine Schmerzen. Doch nach den Tränen verbrachten sie Stunden der Leidenschaft. Nach einiger Zeit aß Nik nichts mehr. Das Angel fast nie etwas zu sich nahm hatte er nicht mitbekommen. Vieles andere bemerkte er auch erst lange nach dem es zu spät war. Zum Beispiel ging es Angel besser, je schlechter es ihm ging. Ja heute ist es Nik klar.

Nicht alle Vampire ernähren sich von Blut. Es gibt Vampire, die sich von Schatten ernähren. Und dann gibt es da noch die Psychischen Vampire. Diese ernähren sich von der Energie ihrer Opfer. Nik hat sich in seiner Zeit mit Angel in einen von diesen verwandelt. Seine Energie, seine Traurigkeit hat ihr Kraft gegeben. Jetzt, da er einer von ihnen war hat sie ihn verlassen. Nik erwachte eines Abends und sie war nicht mehr da. Sie ist einfach gegangen. Ein Zettel mit dem Satz „Du wirst mir fehlen mein trauriger Engel. Die Traurigkeit wird dich retten.“ hatte sie an seien Tür gepinnt. Keine Erklärung nichts. Zwei Tage saß er an seiner Tür und wartetet auf ihre Rückkehr. Er wollte nicht glauben, dass sie einfach so gegangen war. Später setzte er sich an seinen Rechner und fing an zu suchen. Er wusste mittlerweile, dass sie in einigen Chats „zu Hause“ war. Er fragte jeden dort nach ihr. Aber niemand wusste etwas. Nach einigen Tagen erhielt Nik eine Mail. In Ihr stand nur, dass sich jemand mit ihm in einem Chat treffen möchte. Nik konnte es kaum erwarten. Die Stunden wollten nicht vergehen. Doch endlich war es so weit. Ein neuer User betrat den Chat und lud ihn in einen privaten Chatraum ein. Dort erklärte er Nik was passiert sei. Nik ist nun ein Vampir, verdammt dazu sich von der Energie anderer zu ernähren, so wie Angel es bei ihm getan hatte. Nik konnte es nicht fassen. Angel hatte ihn nur benutzt. Die Trauer schnürte Nik die Kehle zu. Sein Schmerz durchströmte seinen Körper. Die Energie strömte aus ihm heraus und floss in ihn zurück. Unfähig sich zu rühren, etwas dagegen zu unternehmen, ernährte sich sein neues Selbst von seiner eigenen Trauer, wie Krebs der sich selbst auffrisst. Nur Nik kann nicht sterben. Gespeist von einer eigenen Trauer erhält er sich gerade so am Leben. Abend für Abend erwacht er und ganze beginnt von vorn. Seit 5 Jahren hat er sich nicht mehr aus der Wohnung bewegen können, mit niemanden gesprochen, niemanden gesehen. All seine Gedanken weilen bei Angel und seiner Liebe zu ihr.

(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea | blue-matrix

Der erste Kuss

in einem Raum, der Abend neigt sich dem Ende zu. Beiden wissen, es wird geschehen. Der erste Kuss. Beiden haben Erwartungen, Hoffnungen, Träume und Ängste investiert.
Der erste Kuss – nur dieser hat diesen ganz besonderen Zauber. Nur er vermag uns so sehr in bittersüße Qualen zu versetzen. Nur er lässt uns bereits Tage zuvor in wohliger Erregung erzittern. Dieser Kuss ist einmalig und nicht wiederholbar. Einerseits verzehrt es uns danach, andererseits wollen wir ihn nie verbrauchen. Nur einmal ist es möglich diese Freude, diese Qualen mit jemandem zusammen zu erleben.

Der erste Kuss – nie wieder werden wir uns die Frage stellen, wie es wohl sein wird. Hat sie weiche Lippen, oder sind sie rau, küsst sie sanft, fast wie ein Windhauch, der über sensibilisierte Haut streift und eine Gänsehaut zurück lässt. Unsere Lippen öffnen sich einander und unsere Zungen begegnen sich im Verborgenen und streicheln sich sanft. Oder ist sie eher leidenschaftlich. Ein Kuss, der mich fast verbrennen wird. Ihre Lippen pressen sich an die meinen, unser Atem wird schneller, umspielt unser Gesicht. Unsere Körper heizen sich auf….

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Der rote Faden

Aufstehen, sich im Spiegel betrachten – das Leben hat Spuren hinterlassen – Arbeiten gehen.
Der rote Faden ist schon da

Arbeiten, Pause, Arbeiten.
Der rote Faden begleitet mich.

Feierabend, nach Hause fahren, laufen durch die Kälte.
Ich werde langsamer – der Faden läuft voraus.

Durch gefroren ankommen, Sachen ablegen, Flur einsauen – wegen Schneematsch.
Der rote Faden hat es sich schon gemütlich gemacht.

Essen machen, Fernseher einschalten, es läuft mal wieder nichts.
Der rote Faden sieht mich – ich glaub ich kenn den schon von gestern.

Gedanken von Gestern, Verzweiflung von Gestern, ich glaub ich geh schlafen.
Der rote Faden freut sich schon auf Morgen – ich mich nicht.

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Künstlich

Es ist Nacht, noch viele Stunden trennen mich vom rettenden Tag.

Im Fernsehen läuft ein Vampirfilm. Synchron dazu läuft das Blut in Strömen meinen Arm herunter. Zerschnittene Haut, verletztes Fleisch. Künstliche Schmerzen, die für einige Minuten die Seele beschäftigen. Doch nur allzu schnell kehrt die Realität wieder zurück.

Noch ein Versuch in die künstliche Welt zu flüchten möchte ich wagen.

Virtuelle Gespräche, am PC erschaffende Welten, die Rasierklinge liefert die fehlenden Gefühle.

Doch wie schon hunderte Male zuvor scheitert auch dieser Versuch.

(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea | blue-matrix