Schwertkämpfertreffen in Bernau

Am Wochenende war das 10 Schwertkämpfertreffen in Bernau. Diesmal statteten wir dem Event nur einen kurzen Besuch ab. Immerhin interessieren wir uns eher für das Mittelalter. Und dieses Event zählt nicht wirklich dazu. Aber wer einblicke haben möchte in die verschiedenen Themen, der wird dies sicher interessant finden. Ob Wikinger, Mittelalter oder asiatische Kampfkünste, es war sicher für jeden etwas dabei. Eine Knappenschule verbreitetet sogar ein wenig Spaß.

Der einzige Seltsampunkt und unserer Besuchszeit war das Zerbrechen einer Axt bei einem Kampf. Bei so viel Publikum ist dies nicht wirklich toll. Es ist nichts passiert. Aber man sollte doch seine Waffen in Ordnung halten. Oder wissen wie man sie einsetzt ohne zu übertreiben.

Pluspunkt für den Ort in diesem Jahr: Durch die Möglichkeit das Publikum auf Bänke verteilen zu können war es einfach diese von den Kämpfenden fern zu halten.

Ach ja – Bilder gibt es ein wenig später noch zu sehen. In Hallen werden die nie wirklich schön – aber ich denke mal, das eine oder andere wird etwas geworden sein.

Ungeheuer

Eine Träne lief ihm rot über die Wange. Hinterließ eine warme Spur in seinem Gesicht. Seine Peiniger beobachteten dies fasziniert. Hatten sie doch bisher so ein Wesen nie gesehen.

Die gesamt Nacht probierten sie alles an ihm aus, was sie über diese Wesen in Erfahrung bringen konnten. Einiges konnten sie ins Reich der Fantasie verbannen. So zum Beispiel das fehlende Spiegelbild. Wie sollte dies auch bei einem Wesen fehlen, welches sichtbar ist. Ein Kreuz konnte dem Wesen auch keine Reaktion entlocken zu können. Erst als sie das Kreuz zum glühen brachten und es dem Wesen auf die Stirn drückten reagierte es. Doch dies schien den jungen Männern also Reaktion zu wenig zu sein. So erhitzen sie die Ketten, mit dem sie das Wesen an die Wand gefesselt hatten, in dem sie Kerzen darunter stellten. Die ließ die Ketten zwar nicht glühen, doch dem Wesen schien es nach einer Weile doch Schmerzen zu bereiten. Gern hätten sie auch Silber getestet, doch konnten sie nichts von diesem Metall auftreiben. Was stimmt, war die schnelle Wundheilung. Seit fast drei Stunden beobachteten sie fasziniert wie sich die Wunden verschlossen und fast nichts mehr davon zu sehen war. Die ersten Experimente in diese Richtung ließen sich schon gar nicht mehr nachweisen.
Sie konnten sehen, wie die durchtrennten Muskeln und Knochen wieder zusammenwuchsen, wie entfernte Haut wieder Nachwuchs. Das letzte Experiment war das bisher grausamste. Sie hatten einen Holzpflock angespitzt und die Spitze in einem Feuer erhitzt. Dann hatten sie diesen Pflock dem Wesen durch das Herz getrieben. Hilflos hatte das Wesen mit ansehen müssen, wie die Männer voller Neugier diese Tat begingen. Gespannt blickten sie dem Wesen ins Gesicht. Gierig nach jeder Regung, die es von sich gab. Auch jetzt gab es keinen Ton von sich. Es weinte lautlos. Wenn die Männer besser hingesehen hätten, wäre ihnen auch ein wenig Mitleid aufgefallen. Doch dies übersahen sie. Ganz in der Faszination versunken, dass sie ein solches Wesen fangen konnten versunken, würdigten sie nicht einen Moment das außergewöhnliche daran. Überhaupt waren all jene Wesen, die sie bisher zur „Untersuchung“ bekamen für sie nur abartig, nicht menschlich, Ungeheuer. Ob es nun Elfen, Kobolde oder Hexen waren, wenn sie bei der „Untersuchung“ nicht verstarben wurden sie danach verbrannt, was allerdings selten war. Das letzte Mal erlitt ein Troll dieses Schicksal. Sie hatten aufgehört zu zählen, wie viel Wesen sie mittlerweile für die Kirche untersuchten. Für jeden Bericht, der Rom erreichte erhielten sie eine Menge Gold und nur die zählte für sie.
Das Wesen heute hatten sie durch Zufall entdeckt. Die leuchtende Haut hatte es verraten. Es hatte sich versucht in einer Gasse zu verstecken. Doch die Männer fanden es. Gemeinsam schlugen sie auf das Wesen ein, bis es bewusstlos war. Dies ist nun einige Stunden her. Die Träne erreichte gerade das Kinn, als das Wesen starb. Der Pflock hatte das Herz durchbohrt und die Spitze kam am Rücken wieder heraus. Es stimmte also, man kann sie mit einem Stoß durch das Herz töten.

Gerade ging am Horizont die Sonne auf. Die Männer hatten noch ein Experiment, zudem sie die Sonne unbedingt brauchen. Gemeinsam trugen sie das Wesen nach draußen auf den Hof und legten es in die Mitte. Gerade als sie es ablegten, glitten die ersten Sonnenstrahlen über die hohe Mauer, die diesen Ort des Schreckens umgab. Schnell entfernten sie sich von dem Wesen. Als die Strahlen das Wesen erreichten, ging es nicht wie erwartet in Flammen auf, sondern fing an zu leuchten, so stark, dass die Männer schützend ihre Hände vor die Augen nahmen. Es dauerte einige Zeit, bis sie relativ gut sehen konnten was da passierte. Das Wesen verbrannte nicht. Der gesamte Körper erstrahlte in einem goldenen Licht. Das Gesicht nahm einen friedlichen fast glücklichen Ausdruck an. Das Wesen sah so wunderschön aus, dass die Männer Tränen in den Augen hatten. Der ganze Anblick wurde zerstört, von dem blutenden Loch an der Stelle. An der der Pflock das Herz durchbohrte. Im Licht der Sonne wuchsen dem Wesen Flügel aus Licht, die sich an seinen Rücken schmiegten.
Erst jetzt wurde den Männern klar, was sie dort getötet hatten. Es war kein Vampir, sondern ein Engel.

(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea | blue-matrix

Morgen-Grauen

La Roque, eine Burg in Frankreich. Es ist der Tag nach der Eroberung. Welche? Egal, es ist die Zeit des hundertjährigen Krieges. Rauch steigt aus den Ruinen auf. Die ehemals mächtige Burg ist ein riesiger Trümmerberg. Überall liegen Leichen herum. Viele Menschen sind verbrannt, mindestens genauso viele verloren im Kampf ihr Leben. Im ersten Hof liegen viele Knappen, treu bis in den Tod versorgten sie ihre Herren bis zum Ende mit Waffen.
Im zweiten Hof liegen viele zerrissene und verbrannte Leiber. Wahrscheinlich traf eine Feuerkugel die Munitionskammer. Die Explosion zerstörte den Innenhof völlig. Die kämpfenden Ritter beider Seiten hatten keine Chance zu entkommen.
Morgen-Grauen, Vampirgeschichte
Hier, inmitten der Leichenberge und dem Gestank aus Schwefel, Teer, und Tod sitzt weinend ein Kind. Das Kleid hat sich teilweise in die Haut des Kindes gebrannt. Tränen bannen sich den Weg durch Ruß und Schmutz auf dem Gesicht. Mit einer Hand hält sich das Kind ein Tuch vor Mund und Nase. Der Geruch von verbranntem Fleisch, Haar und Fett raubt ihm fast den Atem. Mit der anderen Hand umklammert es die Hand einer toten Frau. Anscheint ist sie verblutet. Ihre rechte Seite ist eine einzige riesige Wunde. Jemand hielt es wohl für besser, mehr als dreimal mit dem Schwert zuzuschlagen.

Ein Mann läuft auf das Kind zu. Er ist ganz in schwarz gehüllt. Schwarzer Wollmantel, schwarze Gugel. Das Gesicht liegt tief im Schatten verborgen. Die Hände sind in den Ärmeln der Tunika verschränkt. Wahrscheinlich ist er ein Mönch, auf der Suche nach Überlebenden.
Schnell, doch mit kaum sichtbaren Schritten nährt er sich dem verzweifelten Kind. Obwohl nicht sichtbar, scheint es die Blicke des Mönches zu spüren. Es hat aufgehört zu weinen. Die Augen, ganz glasig, wenden sich dem Mann zu. Ein Zucken durchläuft den kleinen Körper. Der Mönch ist nun bei dem Kind. In einer fließenden Bewegung ergreift er es, reißt den kleinen Kopf nach hinten und schlägt seine Zähne in den Hals. Er hat zwei Reißzähne wie ein Raubtier. Das jetzt sichtbar gewordene Gesicht ist fast weiß. Die Augen sind blutunterlaufen. Auch seine Hände sind bleich. Und kalt müssen sie sein, denn eine Gänsehaut überzieht den Körper des Kindes. Der Geist des Kindes hat noch gar nicht mitbekommen, was geschehen ist, als der Lebensfunke den kleinen Körper schon verlässt. Die vormals glänzenden Augen sind nun starr und trübe in die Ferne gerichtet. Der Vampir kann schon jetzt den Tod an dem Kind riechen. Angewidert wirft er das Bündel weg. Es kracht gegen eine Mauer, prallt von dort ab und landet direkt vor der Schnauze eines erschreckten Hundes. Nach kurzem beschnüffeln und irritieren umher sehen beginnt er mit seinem Morgenmahl. Der Vampir setzt seinen Weg zu seiner Ruhestätte fort. Es war eine erfolgreiche Nacht.

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Gralssuche

Gero zu Pankow und Chaya in Chorin
Gero zu Pankow und Chaya in Chorin

Auf der Suche nach meinem Lapis exilis reiste ich auf den alten Pfaden der Templer. Meine Reise begann 1344 in Tomar. Hier erbauten die Templer eine Ordensburg, die später die Christusritter übernahmen. Viel Jahre verbrachte ich hier, kam aber mit meiner Suche nicht wirklich voran.
Also begab ich mich 1464 auf den Weg nach Schottland. Dort halfen die Templer dem König Robert the Bruce die Schlacht von Bannockburn zu gewinnen. Die Highlands waren mir eine lange Zeit ein neues schönes Zuhause. Doch noch immer war ich in meiner Suche nicht weiter gekommen. Die Welt um mich veränderte sich von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr. Städte erblühten und gingen wieder unter.
So zog es mich 1584 nach Paris. Eine Stadt, die es wohl schon ewig gab. Eine Stadt, die so viele Geheimnisse in ihrem Inneren verbirgt, dass ich guter Hoffnung war, hier endlich meinem Ziel näher zu kommen. Paris bezeichneten die Templer als ihr Refugium. Wo sonst auf de Welt ist man am sichersten, wenn man verfolgt wird, als in der Höhle des Löwen? Es ist eine Stadt des Glanzes und der Dunkelheit zugleich. Doch auch hier fand ich nicht, wonach ich so verzweifelt suchte. So sollte 1704 Marienburg mein nächstes Ziel sein. Dort, in der Nähe von Danzig, wo die Ordensritter des Deutschherrenordens lebten, fühlte sich der 4te Zweig der Templer sicher.

Doch die Stadt der heiligen Jungfrau konnte mir auch nicht weiter helfen, und entließ mich schon bald aus ihrem Bann. So zog ich 1824 Richtung Balkan, nach Bulgarien. Auf der Suche nach den Erben der Paulizianer oder auch als Poblicants bekannt. Diese Leute, die angeblich in Ephesus eine Kirche stürmten und das Weihwasser ihren Pferden zu trinken gaben, fesselten mich für eine Weile. Aber auch hier sollte mir der Erfolg meiner Suche verwehrt bleiben.

Also begab ich mich 1944 nach Jerusalem. Im Laufe der Zeit konnte man immer schneller immer weiter reisen. Die Technik schien die Menschheit zu beflügeln. Jerusalem ist der Ort, an dem die Templer ihre Unsterblichkeit begannen und dort sollen sie ihren Schatz gefunden haben. Doch ich fand dort nicht, wonach ich nun schon so lang suchte. Ich gab meine Suche auf.

Müde von meiner Wanderschaft begab ich mich zurück in meine Heimat. Berlin, damals noch eine kleine Siedlung – heute Metropole. 2005 kam ich bei meiner Heimkehr am alten Kloster Chorin vorbei. Hier wurde gerade das Osterfest mittelalterlich gefeiert. Mit einigen Brüdern beteiligte ich mich an diesem Spektakel. Gewandet wie damals, fühlte ich mich ich mich zwar ein wenig geborgen, doch noch immer belastete die erfolglose Suche mein Denken. Dann sah ich dich – gehüllt in schöne Gewänder, langes schwarzes Haar rahmte dein Gesicht, strahlende Augen suchten die meine und fanden sie. Die Dunkelheit aus meinem Herzen verschwand und ich wusste, ich hab dich gefunden,
du bist mein Engel, mein Lapis exilis, meine Chaya.

Gero zu Pankow

(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea | blue-matrix

(Geschrieben für die wundervollste Frau in meinem Leben.)