Gralssuche

Gero zu Pankow und Chaya in Chorin
Gero zu Pankow und Chaya in Chorin

Auf der Suche nach meinem Lapis exilis reiste ich auf den alten Pfaden der Templer. Meine Reise begann 1344 in Tomar. Hier erbauten die Templer eine Ordensburg, die später die Christusritter übernahmen. Viel Jahre verbrachte ich hier, kam aber mit meiner Suche nicht wirklich voran.
Also begab ich mich 1464 auf den Weg nach Schottland. Dort halfen die Templer dem König Robert the Bruce die Schlacht von Bannockburn zu gewinnen. Die Highlands waren mir eine lange Zeit ein neues schönes Zuhause. Doch noch immer war ich in meiner Suche nicht weiter gekommen. Die Welt um mich veränderte sich von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr. Städte erblühten und gingen wieder unter.
So zog es mich 1584 nach Paris. Eine Stadt, die es wohl schon ewig gab. Eine Stadt, die so viele Geheimnisse in ihrem Inneren verbirgt, dass ich guter Hoffnung war, hier endlich meinem Ziel näher zu kommen. Paris bezeichneten die Templer als ihr Refugium. Wo sonst auf de Welt ist man am sichersten, wenn man verfolgt wird, als in der Höhle des Löwen? Es ist eine Stadt des Glanzes und der Dunkelheit zugleich. Doch auch hier fand ich nicht, wonach ich so verzweifelt suchte. So sollte 1704 Marienburg mein nächstes Ziel sein. Dort, in der Nähe von Danzig, wo die Ordensritter des Deutschherrenordens lebten, fühlte sich der 4te Zweig der Templer sicher.

Doch die Stadt der heiligen Jungfrau konnte mir auch nicht weiter helfen, und entließ mich schon bald aus ihrem Bann. So zog ich 1824 Richtung Balkan, nach Bulgarien. Auf der Suche nach den Erben der Paulizianer oder auch als Poblicants bekannt. Diese Leute, die angeblich in Ephesus eine Kirche stürmten und das Weihwasser ihren Pferden zu trinken gaben, fesselten mich für eine Weile. Aber auch hier sollte mir der Erfolg meiner Suche verwehrt bleiben.

Also begab ich mich 1944 nach Jerusalem. Im Laufe der Zeit konnte man immer schneller immer weiter reisen. Die Technik schien die Menschheit zu beflügeln. Jerusalem ist der Ort, an dem die Templer ihre Unsterblichkeit begannen und dort sollen sie ihren Schatz gefunden haben. Doch ich fand dort nicht, wonach ich nun schon so lang suchte. Ich gab meine Suche auf.

Müde von meiner Wanderschaft begab ich mich zurück in meine Heimat. Berlin, damals noch eine kleine Siedlung – heute Metropole. 2005 kam ich bei meiner Heimkehr am alten Kloster Chorin vorbei. Hier wurde gerade das Osterfest mittelalterlich gefeiert. Mit einigen Brüdern beteiligte ich mich an diesem Spektakel. Gewandet wie damals, fühlte ich mich ich mich zwar ein wenig geborgen, doch noch immer belastete die erfolglose Suche mein Denken. Dann sah ich dich – gehüllt in schöne Gewänder, langes schwarzes Haar rahmte dein Gesicht, strahlende Augen suchten die meine und fanden sie. Die Dunkelheit aus meinem Herzen verschwand und ich wusste, ich hab dich gefunden,
du bist mein Engel, mein Lapis exilis, meine Chaya.

Gero zu Pankow

(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea | blue-matrix

(Geschrieben für die wundervollste Frau in meinem Leben.)