Kontrolle

Vor einige Zeit schrieb ich diese Zeilen:

Kontrolle

Hast du schon einmal versucht der Stimme in deinem Kopf klar zumachen, dass du das sagen hast?
Und hast du diese Diskussion schon einmal verloren??

Ich verliere sie jeden Tag.

Genauso könnte man eine kleine Zeile über Einsamkeit verfassen, wenn diese Stimme mal schweigt. Ja – es ist kein einfacher Start in die Woche. Wenn Gedanken es schaffen einen „aufzufressen“ dann sollte man versuchen dem Kopf mal eine Auszeit zu geben. Doch wie soll man dies realisieren? Es gibt zwar eine Möglichkeit, doch ist diese keine Dauerlösung. 😉

Zu allem Überfluss scheine ich auch noch krank zu sein – tja – es kommt immer schlimmer als erwartet – oder? Also werde ich den halben Tag heute in der Welt dort draußen verbringen und hoffen, dass ich schnell wieder halbwegs ok bin.

Liebe Grüße – Olly (blue-matrix)

PS.: Hier sind hinterlegt ein Gruß und ein Kuss für meine Chaya

Hallo Welt!

Mit diesem beliebten Satz eröffne ich mein neues Projekt. Wozu einen neuen Blog? Tja – ich habe schon einen Blog bei MSN – doch bietet er mir nicht die Freiheit, die ich haben möchte. Meine Webseite, die bisher als Tagebuch galt, ist eingeschlafen und ich habe keine Lust sie zu löschen. Der Blog, den ich mit meinem geliebten Engel zusammen habe, widmet sich zwar ähnlichen Themen – ist aber weit vom Tagebuch Gedanken entfernt. Also bleibt mir dieser Ort.

Ich hoffe, Ihr habt ein wenig Freude an meinem Leben.
Liebe Grüße Olly

Ungeheuer

Eine Träne lief ihm rot über die Wange. Hinterließ eine warme Spur in seinem Gesicht. Seine Peiniger beobachteten dies fasziniert. Hatten sie doch bisher so ein Wesen nie gesehen.

Die gesamt Nacht probierten sie alles an ihm aus, was sie über diese Wesen in Erfahrung bringen konnten. Einiges konnten sie ins Reich der Fantasie verbannen. So zum Beispiel das fehlende Spiegelbild. Wie sollte dies auch bei einem Wesen fehlen, welches sichtbar ist. Ein Kreuz konnte dem Wesen auch keine Reaktion entlocken zu können. Erst als sie das Kreuz zum glühen brachten und es dem Wesen auf die Stirn drückten reagierte es. Doch dies schien den jungen Männern also Reaktion zu wenig zu sein. So erhitzen sie die Ketten, mit dem sie das Wesen an die Wand gefesselt hatten, in dem sie Kerzen darunter stellten. Die ließ die Ketten zwar nicht glühen, doch dem Wesen schien es nach einer Weile doch Schmerzen zu bereiten. Gern hätten sie auch Silber getestet, doch konnten sie nichts von diesem Metall auftreiben. Was stimmt, war die schnelle Wundheilung. Seit fast drei Stunden beobachteten sie fasziniert wie sich die Wunden verschlossen und fast nichts mehr davon zu sehen war. Die ersten Experimente in diese Richtung ließen sich schon gar nicht mehr nachweisen.
Sie konnten sehen, wie die durchtrennten Muskeln und Knochen wieder zusammenwuchsen, wie entfernte Haut wieder Nachwuchs. Das letzte Experiment war das bisher grausamste. Sie hatten einen Holzpflock angespitzt und die Spitze in einem Feuer erhitzt. Dann hatten sie diesen Pflock dem Wesen durch das Herz getrieben. Hilflos hatte das Wesen mit ansehen müssen, wie die Männer voller Neugier diese Tat begingen. Gespannt blickten sie dem Wesen ins Gesicht. Gierig nach jeder Regung, die es von sich gab. Auch jetzt gab es keinen Ton von sich. Es weinte lautlos. Wenn die Männer besser hingesehen hätten, wäre ihnen auch ein wenig Mitleid aufgefallen. Doch dies übersahen sie. Ganz in der Faszination versunken, dass sie ein solches Wesen fangen konnten versunken, würdigten sie nicht einen Moment das außergewöhnliche daran. Überhaupt waren all jene Wesen, die sie bisher zur „Untersuchung“ bekamen für sie nur abartig, nicht menschlich, Ungeheuer. Ob es nun Elfen, Kobolde oder Hexen waren, wenn sie bei der „Untersuchung“ nicht verstarben wurden sie danach verbrannt, was allerdings selten war. Das letzte Mal erlitt ein Troll dieses Schicksal. Sie hatten aufgehört zu zählen, wie viel Wesen sie mittlerweile für die Kirche untersuchten. Für jeden Bericht, der Rom erreichte erhielten sie eine Menge Gold und nur die zählte für sie.
Das Wesen heute hatten sie durch Zufall entdeckt. Die leuchtende Haut hatte es verraten. Es hatte sich versucht in einer Gasse zu verstecken. Doch die Männer fanden es. Gemeinsam schlugen sie auf das Wesen ein, bis es bewusstlos war. Dies ist nun einige Stunden her. Die Träne erreichte gerade das Kinn, als das Wesen starb. Der Pflock hatte das Herz durchbohrt und die Spitze kam am Rücken wieder heraus. Es stimmte also, man kann sie mit einem Stoß durch das Herz töten.

Gerade ging am Horizont die Sonne auf. Die Männer hatten noch ein Experiment, zudem sie die Sonne unbedingt brauchen. Gemeinsam trugen sie das Wesen nach draußen auf den Hof und legten es in die Mitte. Gerade als sie es ablegten, glitten die ersten Sonnenstrahlen über die hohe Mauer, die diesen Ort des Schreckens umgab. Schnell entfernten sie sich von dem Wesen. Als die Strahlen das Wesen erreichten, ging es nicht wie erwartet in Flammen auf, sondern fing an zu leuchten, so stark, dass die Männer schützend ihre Hände vor die Augen nahmen. Es dauerte einige Zeit, bis sie relativ gut sehen konnten was da passierte. Das Wesen verbrannte nicht. Der gesamte Körper erstrahlte in einem goldenen Licht. Das Gesicht nahm einen friedlichen fast glücklichen Ausdruck an. Das Wesen sah so wunderschön aus, dass die Männer Tränen in den Augen hatten. Der ganze Anblick wurde zerstört, von dem blutenden Loch an der Stelle. An der der Pflock das Herz durchbohrte. Im Licht der Sonne wuchsen dem Wesen Flügel aus Licht, die sich an seinen Rücken schmiegten.
Erst jetzt wurde den Männern klar, was sie dort getötet hatten. Es war kein Vampir, sondern ein Engel.

(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea | blue-matrix

Allein in die Ewigkeit

Wieder einmal erwachte Nik aus seinem Schlaf. Wie jeden Abend kämpfte er gegen die neue Wirklichkeit an. Warum sollte er auch daran glauben? Vampire?

So weit sich Nik erinnern kann, hat er den Wunsch sein Leben zu beenden. Doch dies auch umzusetzen hat er sich nie getraut. Bis zu jenem Abend im Juli. Dieser begann eigentlich ganz ok. Wie immer kaufte sich Nik ein Bier am Imbiss an der Ecke. Versunken im Gedanken stieß er dabei auf eine Freundin aus anderen Zeiten. Damals ging er noch in die Clubs der Stadt. Spielte den Lebensfrohen, der jeden Tag etwas Neues erleben möchte. Es sind schmerzvolle Erinnerungen. Eine Zeit der Selbstverleugnung.
Angel gehörte in diese Zeit hinein. Hat sie eigentlich einen richtigen Namen? Zwar hat Nik keine direkten schmerzenden Erinnerungen an oder mit Angel, sie ist vielmehr ein Auslöser. Unbewusst starrte Nik auf seinen Unterarm. Er ist zwar verdeckt vom Hemd, doch weiß er genau, das dort die Buchstaben F E H L E R als Narben in den Arm gebannt sind. Auch ein Relikt aus dieser Zeit. „Fehler“ genau das richtige Wort für seine Existenz. Wo immer ihn das Leben hin verschlagen hatte, immer war er Fehl am Platz, machte grundsätzlich alles Falsch. Also ein wandelnder Fehler. Irgendwann hatte er sich dann mit einer halbstumpfen Klinge diese sechs Buchstaben in den Arm geschnitten. Hat es damals wehgetan? Sicher nicht so sehr wie es unausgesprochen zu lassen.

Angel sah ihn mit großen dunklen Augen an. Der Nachthimmel schien sich darin zu spiegeln. Waren dies die Augen von Angel? „Hallo Angel“ Die Worte kamen nicht in der gewollten Gelassenheit über seine Lippen. Angel reagierte nicht. Nur langsam schien sie Ihn zu erkennen. Die Augen weiteten sich noch mehr. War das überhaupt noch möglich? “ Angel, alles in Ordnung?“ „Klar – alles bestens.“ erwiderte sie langsam. Offensichtlich war sie verwirrt. „Nik? Du bist es doch oder?“ ein wenig Hoffnung lag in diesen Worten. „Klar bin ich es, aber was machst du hier? Bist du nicht ausgewandert?“ „Ich? Ja klar,.. aber dann, nun ja … es war alles nicht so wie gedacht, ich bin dann, mir blieb ja nichts anderes, ich bin halt zurück. Nur hätte ich gewusst, dass … nun ja … das dies eben passierte,… ich denk ich wäre nicht hier her gekommen.“ Ihre Augen starrten ihn an. Nik verstand gar nichts. „Passiert? Was is passiert?“ Für ein Wiedersehen nach Jahren verlief das Gespräch nicht ganz wie erwartet. Aber wenigstens war es kein Schweigen. „Nik? Gehst du noch immer nicht weg? Ich meine, ich habe erfahren, dass du dich nicht mehr sehen lässt und dies schon seit langer Zeit.“ Nik war ein wenig überrascht. Er mochte es gar nicht, wenn man ihn so unerwartet konfrontierte. „Ich habe viel zu tun und die Clubs hier sind öde geworden, jeder denkt an seine eigene Zukunft, hat kaum Zeit für andere…“ Nik war verlegen. „He, es ist ok. Du musst dich nicht vor mir rechtfertigen. Du warst schon immer so, nur damals konntest du dich halt noch dagegenstellen.“ Ein Satz, der sich wie ein Stich im Herzen von Nik anfühlte. Da kommt sie daher, scheint völlig neben sich zu stehen und dann macht sie noch Aussagen, die er gern nur mich sich allein teilt. „Was habe ich verpasst?“ Nik versuchte abzulenken, diese Unterhaltung nahm für ihn keinen guten Verlauf an. Zeit zu wenden. „Was passiert, das du wie ein Geist durch die Stadt läufst?“ “ Ich will gerade in einen Club“ „In welchen?“ Schmerzen in ihren Augen? „Egal in welchen. Hauptsache viele Menschen. Ein wenig anonyme Nähe wollte ich. Doch es wäre mir lieber mir dir meine Zeit zu verbringen.“ Ihre Augen schauten ihn hoffnungsvoll an. Ihre Augen, es schien ihm, als würde er in zwei Ozeane der Verzweiflung schauen. Beide unendlich tief und doch konnte man in ihnen einen mitternachtsblauen Schimmer sehen. Gerade wollt er sich dies noch einmal ansehen, da war es auch schon wieder weg. Nur die Schmerzen sind geblieben. „Ich begleite dich gern. Wenn du magst, kannst du mir ja erzählen, was dir so widerfahren ist in den letzten Jahren.“ Sie schaute ihn an, als hätte er versucht sie zu schlagen. Doch schnell verflog dieser Ausdruck von ihrem Gesicht. Genauso schnell wie der Schimmer aus ihren Augen. Sie entschieden sich zu laufen. Der Weg ist zwar nicht weit, doch nahmen sie sich jeder noch zwei Bier für den Weg und eine Flasche roten Wein wegen der alten Zeiten mit. Nik fing an zu erzählen. Es war nicht viel, was er erzählen konnte, doch war es viel, was erst einmal verarbeitet werden musste. Er wusste nicht warum, aber alles sprudelte einfach aus ihm heraus. Keine Grenzen, kein beschönigen – einfach die Wahrheit.
Als er endete sah Angel ihm tief in die Augen und fragte nach einer Weile, ob er dies alles nicht schon früher mitbekommen hätte. Verständnislos starrte Nik sie an. „Was ich sagen will,…“ sie schaute ihn ein wenig hilflos an.“…ich meine, mir war es schon immer klar, dass es dir in Gesellschaft nicht gut ging. Dein Arm war einfach viel zu oft in Verband gehüllt, selbst bei größter Hitze hattest du lange Hemden an. Was ich sagen möchte: wer es nicht mitbekam ist selbst blind gewesen.“ Er konnte ihr nicht mehr in die Augen sehen, versuchte unbeteiligt in der Gegend herum zu schauen. Seine Arme hatte er in die viel zu langen Ärmel seines Mantels zurückgezogen. Ja er liebte diesen Mantel gerade deswegen. Aber in Moment war Nik viel zu betroffen, als das er dieses behagliche Gefühl genießen könnte. Er hatte überhaupt keine Lust mehr in den Club zu gehen. Es war mir jetzt schon alles zu viel. Plötzlich hielt Angel ihn leicht am Arm fest und blieb stehen. Vorsichtig aber bestimmt zog sie Nik zu sich heran. Er versuchte ihren Blick auszuweichen, er wollte nicht das Wissen, Verstehen oder schlimmer das Mitleid darin sehen. Und doch schaute er in ihre Augen. Der blaue Schimmer war wieder zurückgekehrt. Tief blau und unergründlich. Nik hatte das Gefühl von ihnen aufgesogen zu werden. Von Angel ging eine Wärme aus, die ihn erfasste, umschlang und völlig einwickelte. Mit einem mal war nichts mehr da, kein Mensch, Auto, die Insekten waren verstummt, der Boden und der nächtliche Himmel, einfach alles war weg. Nur noch die Wärme, Angel, ihre Augen und Nik. Er schloss seine Augen, genoss diese Ruhe, diesen Frieden, der sich in ihm endlich nach all den Jahren ausbreitete. Seine Gedanken kamen zur Ruhe, wirbelten nicht mehr durcheinander.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren konnte Nik sich fallen lassen. Er spürte wie etwas seine Lippen streifte, sie berührte, liebkoste. Langsam kam er wieder an die Oberfläche seines Bewusstseins. Er öffnete seine Augen. Noch immer wusste er weder was gerade geschah, noch gerade geschieht. Angel hatte ihn in die Arme genommen und sich an ihn geschmiegt. Mit der Spitze ihrer Zunge fuhr sie zärtlich die Konturen seiner Lippen nach. Seine Lippen öffneten sich ihr, als hätte sie so um Einlass gebeten. Ihrer Zungen berührten sich, erst ein wenig zögernd, doch dann immer fordernder. Sie presste ihn immer doller an sich, als ob sie Angst hat, ihn wieder los lassen zu müssen. Nik genoss es gehalten zu werden. Es war lang her, dass er umarmt wurde. Angel strahlte immer mehr Wärme aus. Ihr Herz schlug so doll, dass Nik dies fühlen konnte. Als sich ihre Lippen wieder von einander lösten, stöhnte sie leicht. In ihren Augen lag Freude und Glück. Auch Nik ging es viel besser. Ihre Hände fanden sie fast von allein. Mit einem Lächeln auf den Lippen gingen sie weiter. Im Club angekommen holten sie sich Getränke und suchten sie eine gemütliche Ecke und hofften ein wenig allein sein zu können. Die gesamte Nacht verbrachten sie versunken in Erinnerungen an die „Gute alte Zeit“. Wenn die Erinnerungen zu schmerzhaft wurden küssten sie sich. Auf diese Weise wurden die Berührungen immer intimer. Gegen Morgen wurden sogar einige tanzbare Titel gespielt. Sie verließen nur ungern die Tanzfläche. Aber der Morgen stand bevor und sie waren müde. Zumindest Nik war länger geblieben als er wollte.

Nik bot Angel an, mit zu ihm zu kommen. Beide könnten sich ausschlafen und gemeinsam den Tag verbringen. Angel stimmte freudig zu. Zu Haus angekommen ging Nik unter die Dusche, denn nichts fand er schlimmer, als nach Zigaretten und Alkohol stinkend ins Bett zu gehen. Er war gerade dabei sich mit dem Duschgel einzureiben, als Angel dazu kam. Nik verschlug es den Atem. Angel sah nicht mehr im Geringsten so heruntergekommen aus wie am Abend. Ihr Körper schien sich erholt zu haben. Die Augen glänzten ihn an. Ihre Blicke verschlangen ihn, wollten ihn gar nicht mehr loslassen. Angel schmiegte sich an Niks Körper, als versuche sie mit jeden möglichen Zentimeter ihrer Haut ihn zu berühren. Ihre Haut war warm, strahlte eine Hitze aus, die ihn wieder umhüllte. Nik konnte nicht anders, er wollte diese Frau haben. Sanft fing er an sie zu streicheln. Seine Hände fuhren die Linien Ihres Körpers nach. Sie schien sich gegen seine Berührung zu pressen, als wolle sie ihm zeigen, dass er sie fester streichen solle. Seine Fingernägel gruben sich in ihre weiche Haut und hinterließen rote Lienen. Ihr Atem ging schneller. Sie drehte sich um, so dass ihr Rücken sich gegen seine Brust lehnte. Er zog sie mit seinen Armen weiter an sich heran. Sein Kopf beugte sich zu ihr und suchte ihre Lippen. Sie trafen sich zu einem Kuss, der sie beide nur weiter in ihrer Lust trieb. Sie drehte sich zu ihm um, nahm seine Hand und zog ihm zu seinem Bett. Keine Worte, nur Gefühle und Lust. Sie liebten sich bis zum Morgengrauen. Erschöpft und ausgelaugt schliefen sie eng umschlungen ein.
Es war bereits Abend, als sie beide wieder erwachten. Bevor sie das Bett verließen, erkundeten sie ihre Körper gegenseitig mit den Händen, ganz sanft, fast als würden sie sich nicht berühren wollen fuhren sie über ihre Körper. Nach vielen Küssen schafften sie es dann doch noch sich aus dem Bett zu erheben. Kaffee und Toast schafften es eine Atmosphäre von späten Frühstück zu vermitteln. Später ging Nik noch schnell einkaufen. Angel blieb allein zurück. Sie sagte Nik, dass sie sich erschöpft fühle und nicht nach draußen gehen wolle. Er war damit zufrieden, so würde er schneller wieder da sein.

Als Nik wieder zu Haus ankam, fand er Angel im Bad unter der Dusche, sie saß auf dem Boden. Eine Rasierklinge in der Hand, und Schnitte im Arm. Der Boden war voll mit Blut. Nik konnte einiges verkraften, er tat sich ja dasselbe an, doch sie dort so zu sehen, damit kam er nicht klar. Er ging einen Schritt rückwärts und stieß gegen die Wand. Er glitt an ihr zu Boden und blieb dort sitzen. Völlig gebannt blickte er auf Angel. Er fühlte sich hilflos und doch von der Szene angezogen. Langsam kamen seien Gedanken wieder. Traurigkeit erfüllte seine Stimme, als er anfing Angel von seinem Leben zu erzählen, von seinen Schmerzen, die er in diesem Bad schon erlebt hat. Er erzählte ihr von seiner Einsamkeit, von seinem Drang sich mit Schmerzen in der Welt halten zu müssen. Von seiner Angst, die ihn erfüllt wenn er sich nicht fühlen kann. Angel reagierte erst nicht, doch je mehr er erzählte, je mehr Schmerz Nik erfüllt, desto interessierter hörte sie sie zu. Später meinte Nik, dass sie immer besser aussah, je schlimmer die Erinnerungen an ihn nagten. Sie kroch auf ihn zu und nahm ihn in die Arme. Ihre Lippen versiegelten seinen Mund. Sagt sie wirklich er zähl mir später mehr? Nik schob diesen Gedanken bei Seite. Ihre Berührungen taten ihm gut. Langsam zu sie Ihn aus, ihre Lippen sammelten seine Tränen auf. Seine Tränen auf Ihren Lippen – Nik verzehrte sich danach dies zu kosten. Beides so kostbar. Wie konnte dies nur so schnell geschehen? Den Rest der Nacht verbrachten sie im Bett und liebten sich. Sie bekamen einfach nicht genug von dem anderem. Angel blühte weiter auf. Am Abend zu vor war sie nur ein Schatten von dem gewesen, was sie nun war. Nik konnte ihr nicht oft genug sagen, wie sehr er sie verehre, wie schön sie sei und dass er sie nie wieder gehen lassen würde. Er fühlte sich wie ein glücklicher Süchtiger. Angel dagegen genoss dies sehr. hatte sie doch schon lang nicht mehr so viel Bewunderung genossen. Und das beste – das besondere konnte Ihr Nik auch noch bieten und er wusste nicht einmal das er ihr gab was sie am meisten brauchte. Er hatte genug Schmerz in sich, dass sie nur von ihm leben konnte. Seelenschmerz, ja das ist es was sie braucht.

Nik und Angel verbrachten die nächsten Wochen miteinander. Er ging nicht mehr arbeite, ging noch weniger weg. Aber es schien niemand zu merken. So nahm auch niemand war, das es Nik äußerlich immer schlechter ging. Er wurde immer dünner, war hin und wieder desorientiert, er vergaß die Zeit. Er war süchtig nach Angel. Wenn es ihr gut ging, war auch er glücklich. Fast jeden Tag sprachen sie über Nik,seine Trauer und seine Schmerzen. Doch nach den Tränen verbrachten sie Stunden der Leidenschaft. Nach einiger Zeit aß Nik nichts mehr. Das Angel fast nie etwas zu sich nahm hatte er nicht mitbekommen. Vieles andere bemerkte er auch erst lange nach dem es zu spät war. Zum Beispiel ging es Angel besser, je schlechter es ihm ging. Ja heute ist es Nik klar.

Nicht alle Vampire ernähren sich von Blut. Es gibt Vampire, die sich von Schatten ernähren. Und dann gibt es da noch die Psychischen Vampire. Diese ernähren sich von der Energie ihrer Opfer. Nik hat sich in seiner Zeit mit Angel in einen von diesen verwandelt. Seine Energie, seine Traurigkeit hat ihr Kraft gegeben. Jetzt, da er einer von ihnen war hat sie ihn verlassen. Nik erwachte eines Abends und sie war nicht mehr da. Sie ist einfach gegangen. Ein Zettel mit dem Satz „Du wirst mir fehlen mein trauriger Engel. Die Traurigkeit wird dich retten.“ hatte sie an seien Tür gepinnt. Keine Erklärung nichts. Zwei Tage saß er an seiner Tür und wartetet auf ihre Rückkehr. Er wollte nicht glauben, dass sie einfach so gegangen war. Später setzte er sich an seinen Rechner und fing an zu suchen. Er wusste mittlerweile, dass sie in einigen Chats „zu Hause“ war. Er fragte jeden dort nach ihr. Aber niemand wusste etwas. Nach einigen Tagen erhielt Nik eine Mail. In Ihr stand nur, dass sich jemand mit ihm in einem Chat treffen möchte. Nik konnte es kaum erwarten. Die Stunden wollten nicht vergehen. Doch endlich war es so weit. Ein neuer User betrat den Chat und lud ihn in einen privaten Chatraum ein. Dort erklärte er Nik was passiert sei. Nik ist nun ein Vampir, verdammt dazu sich von der Energie anderer zu ernähren, so wie Angel es bei ihm getan hatte. Nik konnte es nicht fassen. Angel hatte ihn nur benutzt. Die Trauer schnürte Nik die Kehle zu. Sein Schmerz durchströmte seinen Körper. Die Energie strömte aus ihm heraus und floss in ihn zurück. Unfähig sich zu rühren, etwas dagegen zu unternehmen, ernährte sich sein neues Selbst von seiner eigenen Trauer, wie Krebs der sich selbst auffrisst. Nur Nik kann nicht sterben. Gespeist von einer eigenen Trauer erhält er sich gerade so am Leben. Abend für Abend erwacht er und ganze beginnt von vorn. Seit 5 Jahren hat er sich nicht mehr aus der Wohnung bewegen können, mit niemanden gesprochen, niemanden gesehen. All seine Gedanken weilen bei Angel und seiner Liebe zu ihr.

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Der erste Kuss

in einem Raum, der Abend neigt sich dem Ende zu. Beiden wissen, es wird geschehen. Der erste Kuss. Beiden haben Erwartungen, Hoffnungen, Träume und Ängste investiert.
Der erste Kuss – nur dieser hat diesen ganz besonderen Zauber. Nur er vermag uns so sehr in bittersüße Qualen zu versetzen. Nur er lässt uns bereits Tage zuvor in wohliger Erregung erzittern. Dieser Kuss ist einmalig und nicht wiederholbar. Einerseits verzehrt es uns danach, andererseits wollen wir ihn nie verbrauchen. Nur einmal ist es möglich diese Freude, diese Qualen mit jemandem zusammen zu erleben.

Der erste Kuss – nie wieder werden wir uns die Frage stellen, wie es wohl sein wird. Hat sie weiche Lippen, oder sind sie rau, küsst sie sanft, fast wie ein Windhauch, der über sensibilisierte Haut streift und eine Gänsehaut zurück lässt. Unsere Lippen öffnen sich einander und unsere Zungen begegnen sich im Verborgenen und streicheln sich sanft. Oder ist sie eher leidenschaftlich. Ein Kuss, der mich fast verbrennen wird. Ihre Lippen pressen sich an die meinen, unser Atem wird schneller, umspielt unser Gesicht. Unsere Körper heizen sich auf….

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Der rote Faden

Aufstehen, sich im Spiegel betrachten – das Leben hat Spuren hinterlassen – Arbeiten gehen.
Der rote Faden ist schon da

Arbeiten, Pause, Arbeiten.
Der rote Faden begleitet mich.

Feierabend, nach Hause fahren, laufen durch die Kälte.
Ich werde langsamer – der Faden läuft voraus.

Durch gefroren ankommen, Sachen ablegen, Flur einsauen – wegen Schneematsch.
Der rote Faden hat es sich schon gemütlich gemacht.

Essen machen, Fernseher einschalten, es läuft mal wieder nichts.
Der rote Faden sieht mich – ich glaub ich kenn den schon von gestern.

Gedanken von Gestern, Verzweiflung von Gestern, ich glaub ich geh schlafen.
Der rote Faden freut sich schon auf Morgen – ich mich nicht.

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Künstlich

Es ist Nacht, noch viele Stunden trennen mich vom rettenden Tag.

Im Fernsehen läuft ein Vampirfilm. Synchron dazu läuft das Blut in Strömen meinen Arm herunter. Zerschnittene Haut, verletztes Fleisch. Künstliche Schmerzen, die für einige Minuten die Seele beschäftigen. Doch nur allzu schnell kehrt die Realität wieder zurück.

Noch ein Versuch in die künstliche Welt zu flüchten möchte ich wagen.

Virtuelle Gespräche, am PC erschaffende Welten, die Rasierklinge liefert die fehlenden Gefühle.

Doch wie schon hunderte Male zuvor scheitert auch dieser Versuch.

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Morgen-Grauen

La Roque, eine Burg in Frankreich. Es ist der Tag nach der Eroberung. Welche? Egal, es ist die Zeit des hundertjährigen Krieges. Rauch steigt aus den Ruinen auf. Die ehemals mächtige Burg ist ein riesiger Trümmerberg. Überall liegen Leichen herum. Viele Menschen sind verbrannt, mindestens genauso viele verloren im Kampf ihr Leben. Im ersten Hof liegen viele Knappen, treu bis in den Tod versorgten sie ihre Herren bis zum Ende mit Waffen.
Im zweiten Hof liegen viele zerrissene und verbrannte Leiber. Wahrscheinlich traf eine Feuerkugel die Munitionskammer. Die Explosion zerstörte den Innenhof völlig. Die kämpfenden Ritter beider Seiten hatten keine Chance zu entkommen.
Morgen-Grauen, Vampirgeschichte
Hier, inmitten der Leichenberge und dem Gestank aus Schwefel, Teer, und Tod sitzt weinend ein Kind. Das Kleid hat sich teilweise in die Haut des Kindes gebrannt. Tränen bannen sich den Weg durch Ruß und Schmutz auf dem Gesicht. Mit einer Hand hält sich das Kind ein Tuch vor Mund und Nase. Der Geruch von verbranntem Fleisch, Haar und Fett raubt ihm fast den Atem. Mit der anderen Hand umklammert es die Hand einer toten Frau. Anscheint ist sie verblutet. Ihre rechte Seite ist eine einzige riesige Wunde. Jemand hielt es wohl für besser, mehr als dreimal mit dem Schwert zuzuschlagen.

Ein Mann läuft auf das Kind zu. Er ist ganz in schwarz gehüllt. Schwarzer Wollmantel, schwarze Gugel. Das Gesicht liegt tief im Schatten verborgen. Die Hände sind in den Ärmeln der Tunika verschränkt. Wahrscheinlich ist er ein Mönch, auf der Suche nach Überlebenden.
Schnell, doch mit kaum sichtbaren Schritten nährt er sich dem verzweifelten Kind. Obwohl nicht sichtbar, scheint es die Blicke des Mönches zu spüren. Es hat aufgehört zu weinen. Die Augen, ganz glasig, wenden sich dem Mann zu. Ein Zucken durchläuft den kleinen Körper. Der Mönch ist nun bei dem Kind. In einer fließenden Bewegung ergreift er es, reißt den kleinen Kopf nach hinten und schlägt seine Zähne in den Hals. Er hat zwei Reißzähne wie ein Raubtier. Das jetzt sichtbar gewordene Gesicht ist fast weiß. Die Augen sind blutunterlaufen. Auch seine Hände sind bleich. Und kalt müssen sie sein, denn eine Gänsehaut überzieht den Körper des Kindes. Der Geist des Kindes hat noch gar nicht mitbekommen, was geschehen ist, als der Lebensfunke den kleinen Körper schon verlässt. Die vormals glänzenden Augen sind nun starr und trübe in die Ferne gerichtet. Der Vampir kann schon jetzt den Tod an dem Kind riechen. Angewidert wirft er das Bündel weg. Es kracht gegen eine Mauer, prallt von dort ab und landet direkt vor der Schnauze eines erschreckten Hundes. Nach kurzem beschnüffeln und irritieren umher sehen beginnt er mit seinem Morgenmahl. Der Vampir setzt seinen Weg zu seiner Ruhestätte fort. Es war eine erfolgreiche Nacht.

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Gralssuche

Gero zu Pankow und Chaya in Chorin
Gero zu Pankow und Chaya in Chorin

Auf der Suche nach meinem Lapis exilis reiste ich auf den alten Pfaden der Templer. Meine Reise begann 1344 in Tomar. Hier erbauten die Templer eine Ordensburg, die später die Christusritter übernahmen. Viel Jahre verbrachte ich hier, kam aber mit meiner Suche nicht wirklich voran.
Also begab ich mich 1464 auf den Weg nach Schottland. Dort halfen die Templer dem König Robert the Bruce die Schlacht von Bannockburn zu gewinnen. Die Highlands waren mir eine lange Zeit ein neues schönes Zuhause. Doch noch immer war ich in meiner Suche nicht weiter gekommen. Die Welt um mich veränderte sich von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr. Städte erblühten und gingen wieder unter.
So zog es mich 1584 nach Paris. Eine Stadt, die es wohl schon ewig gab. Eine Stadt, die so viele Geheimnisse in ihrem Inneren verbirgt, dass ich guter Hoffnung war, hier endlich meinem Ziel näher zu kommen. Paris bezeichneten die Templer als ihr Refugium. Wo sonst auf de Welt ist man am sichersten, wenn man verfolgt wird, als in der Höhle des Löwen? Es ist eine Stadt des Glanzes und der Dunkelheit zugleich. Doch auch hier fand ich nicht, wonach ich so verzweifelt suchte. So sollte 1704 Marienburg mein nächstes Ziel sein. Dort, in der Nähe von Danzig, wo die Ordensritter des Deutschherrenordens lebten, fühlte sich der 4te Zweig der Templer sicher.

Doch die Stadt der heiligen Jungfrau konnte mir auch nicht weiter helfen, und entließ mich schon bald aus ihrem Bann. So zog ich 1824 Richtung Balkan, nach Bulgarien. Auf der Suche nach den Erben der Paulizianer oder auch als Poblicants bekannt. Diese Leute, die angeblich in Ephesus eine Kirche stürmten und das Weihwasser ihren Pferden zu trinken gaben, fesselten mich für eine Weile. Aber auch hier sollte mir der Erfolg meiner Suche verwehrt bleiben.

Also begab ich mich 1944 nach Jerusalem. Im Laufe der Zeit konnte man immer schneller immer weiter reisen. Die Technik schien die Menschheit zu beflügeln. Jerusalem ist der Ort, an dem die Templer ihre Unsterblichkeit begannen und dort sollen sie ihren Schatz gefunden haben. Doch ich fand dort nicht, wonach ich nun schon so lang suchte. Ich gab meine Suche auf.

Müde von meiner Wanderschaft begab ich mich zurück in meine Heimat. Berlin, damals noch eine kleine Siedlung – heute Metropole. 2005 kam ich bei meiner Heimkehr am alten Kloster Chorin vorbei. Hier wurde gerade das Osterfest mittelalterlich gefeiert. Mit einigen Brüdern beteiligte ich mich an diesem Spektakel. Gewandet wie damals, fühlte ich mich ich mich zwar ein wenig geborgen, doch noch immer belastete die erfolglose Suche mein Denken. Dann sah ich dich – gehüllt in schöne Gewänder, langes schwarzes Haar rahmte dein Gesicht, strahlende Augen suchten die meine und fanden sie. Die Dunkelheit aus meinem Herzen verschwand und ich wusste, ich hab dich gefunden,
du bist mein Engel, mein Lapis exilis, meine Chaya.

Gero zu Pankow

(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea | blue-matrix

(Geschrieben für die wundervollste Frau in meinem Leben.)

Die Tränen die ich vergieße

Die Tränen die ich vergieße –
entspringen nicht der Freude in meinem Herzen;
entspringen nicht der Trauer, um den Verlust eines lieben Menschen;
entspringen nicht körperlicher oder seelischer Schmerzen.
Die Tränen, die ich vergieße sind alle rot und fließen damit ich fühle.

(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea | blue-matrix